In der Schicksals­zentrifuge

Mario Salazar «Die Welt mein Herz» am Theater Baden-Baden

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Ein Stoffhund, der zu Beginn hinter einem Rollator her auf die Bühne geschleift wird und dort als kurioses Gesprächsthema zweier tüddeliger alter Damen herumliegt – kann der einem ans Herz gehen? Aber ja: Während der zweieinhalb Stunden, auf die Mario Salazars Episodenstück am Theater Baden-Baden komprimiert ist, plaudern Catharina Kottmeier als Waltraut und Nadine Kettler als Irmgard wie in einem Loriot-Sketch immer wieder darüber, dass «der Willi» – offenkundig Waltrauts Hund – «morgen 112 Jahre alt wird».

Genauso regelmäßig «gesteht» Irmgard, dass sie während Waltrauts gesamter Ehe ein Verhältnis mit deren Mann Rainer hatte. Dass dieser Rainer längst tot ist, hindert ihn wiederum nicht daran, selbst auf der Bildfläche zu erscheinen, Waltraut Avancen zu machen und dann doch mit Irmgard abzuziehen.

Und da kommt er dann, der Moment, als Catharina Kottmeier allein auf der Bühne zurückbleibt, ebenfalls aufbrechen will, durch einen Zug am Rollator den Hund erstmals zum Stehen bringt – und, als er (natürlich) wieder umfällt, sich ihm zuwendet und mit einem Gesichtsausdruck des Begreifens und der Trauer jäh Waltrauts Verluste beglaubigt, die in den bissigen Altweiberdialogen in ...

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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Andreas Jüttner

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