Frau Siegfried

Friedrich Hebbel «Die Nibelungen»

Theater heute - Logo

Der König erklimmt seinen Thron. Sein Thron ist ein wackeliger Matratzenstapel, eine Nummer zu groß und zu tückisch für einen wie Gunther (Ben Daniel Jöhnk), diesen Burgunderschlaffi. Als er im x-ten Anlauf endlich oben ist, hüpft er auf seiner Bettenburg herum wie ein verzogener Bengel. Bald wird er sich noch ganz anders lächerlich machen.

So viel zu König Gunther. Vergessen wir ihn. Er hat ohnehin wenig zu melden. Muss nur in den entscheidenden Momenten stillhalten, dann findet ihn der Untergang von ganz allein.

Hebbels «Nibelungen» – dieser Lindwurm von einer Liebes-, Historien- und Rachetragödie – baut in Christoph Fricks Freiburger Version auf Hagen von Tronje. Das ist wenigstens noch ein Mann. Thomas Mehlhorn weiß, wie ein stolzer Recke einen Stuhl in Splitter haut, so aus ehrlichem, unbefriedigtem Jagdtrieb heraus. 

Oder Siegfried, der immerblonde Nibelungenheld. Das ist noch eine Frau. Jawohl. Die sagenhafte Johanna Eiworth ist zwar die Kleinste auf dem weiten blauen Tanzboden, der einen recht spartanischen Burgunderhof darstellt (Bühne, Kostüme: Viva Schudt). Dafür fällt ihr Bericht über Siegfrieds Abenteuer hünenhaft aus: sein Sieg über den Drachen und das Blutbad, das ihn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2008
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Stephan Reuter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Striche peitschen durch das Buch

Madame Bovary ist die Frau eines Landarztes und ein Buch. Und weil es Flaubert geschrieben hat, wurde es ein unübertrefflicher Roman. Chabrol machte daraus einen recht guten Film mit Isabelle Huppert, denn die «Bovary» besteht nicht nur aus Stil, sondern auch aus Story. Diese klamme Liebesgeschichte eignet sich durchaus für ein Ballett, einen Film, ein Ölbild, was...

Rätsel in Schwarz

Die Beliebtheit des Medea-Mythos dürfte unter anderem in seiner dreifachen Verwertbarkeit für heute liegen: Zum einen das Thema Kindsmord als ein aus Verzweiflung geborener Akt der Autoaggression. Zum anderen das immer gültige Ehedrama: Er nimmt sich eine Jüngere, sie bleibt als desperate Ex zurück. Zum dritten aber auch die arrogante Xenophobie, die ein...

So viel Gefühl

Das Rührendste kam zum Schluss: Da verbeugte sich Nuran Calis inmitten seines Teams so ungelenk, so wacker bemüht, der Applaus-Etikette Genüge zu tun, dass der Beifall schier kein Ende nehmen wollte. Es war ohnehin ein Klatschen der gerührten Herzen. Wann hatte man zuletzt einen so ungehemmt naiv und un­ironisch gespielten Klassiker gesehen? So ungebrochen auf die...