Die Wunden zeigen
Das Bedürfnis, in einen Raum treten zu können, der einen umfasst und umschließt. Eine Art Krankenzimmer, in dem man seine Wunde offenbaren kann.
* Dieser Vorgang des «Wundezeigens» ist wie eine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, und dabei erfährt man gleichzeitig Heilung.
* Ein Raum, in dem ein Ausnahmezustand herrscht, ein Ausnahmeraum, in dem wir gemeinsam das Leiden erproben können: über diese Körper, die vor uns stehen und sprechen oder auch nicht sprechen.
Die verrenkten, ausgestellten Köper auf der Bühne, die wie Opfertiere und Priester gleichzeitig uns anbieten, ihnen irgendwohin zu folgen.
* Eine Übung im Sterben. Jeden Tag das Sterben üben; und vielleicht könnte das Theater, der dunkle Raum mit der erleuchteten Bühne, ein Ort sein, an dem wir zusammenkommen, um das Sterben gemeinsam zu üben? Die Körper dort sterben für uns im Spiel immer wieder aufs Neue. Und wir schauen zu und üben.
* Es ist, wie wenn man seine Muskeln dehnt. Da gibt es diesen Punkt, wo es weh tut, und der Impuls ist erst einmal, sich dem zu widersetzen und dagegen zu stemmen. Das Paradoxe ist aber: Wenn man den Schmerz zulässt und sich ihm hingibt, dann tut es gleich weniger weh. Vielleicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 106
von Susanne Kennedy
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als...
Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie die Namen verdanken, hat ihre Mutter sitzen lassen und ist längst weg.
Ihre Mutter beginnt zu trinken, und bald wird sie auch von ihren Kindern verlassen. Maria und Jesus Maria landen in einem kuriosen Umfeld als Nachbarn von Madame Bonafide, einer transsexuellen Wahrsagerin, und dem alternden...
Oben könnten wir uns doch treffen, hatte er auf Englisch ins Handy gesagt, high up am Grünen Hügel in Bayreuth, vor dem Festspielhaus, da mache er gerade die Wiederaufnahme mit Castorf für den «Ring».
Oben klingt gut, oben ist die Richtung, in die einen Aleksandar Denic sowieso immer gucken lässt in den Schachtelburgen, die er bisher im deutschsprachigen Raum...
