Diese Zitrone hat noch viel Kraft
War da was? Oder besser: Was war da? Denn eigentlich hat ja niemand die «Copa da Cultura» übersehen können, diesen Marathon der Künste, den Brasilien, das Aufsteiger-Land mit den maßlos überschätzten WM-Favoriten, dem Gastgeberland des Kicker-Gipfels beschert hatte, pünktlich zu Beginn mit dem feinen kleinen Festival «Brasil em Cena» auf den Berliner HAU-Bühnen, erst recht dann mittendrin und auch noch danach.
Allerdings hätten sich die brasilianischen Kultur-Strategen um den singenden Minister Gilberto Gil wohl besser nicht so sehr auf die deutsche Hauptstadt konzentriert; deren Interesse schwächelte, wie immer, recht schnell.
Umgekehrt setzte Frank Castorf in São Paulo den vorläufigen Schlusspunkt der deutschen Gegenbesuche in Brasilien – nach dem Gastspiel seiner jüngsten Brecht-Betrachtung im Dickicht brasilianischer Städte hat Castorf erstmals mit (fast) komplett brasilianischem Ensemble einen Text des landeseigenen Klassikers Nelson Rodrigues inszeniert. Und damit er sich dabei etwas wohler und vertrauter fühlte, hat er bei den Rodrigues-Erben die Erlaubnis einholen lassen, Heiner Müllers «Auftrag» in die Rodrigues-Dramaturgie zu mischen. So bekam der Abend wieder mal einen ...
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