Diese Zitrone hat noch viel Kraft

Fremdgehen bereichert: Frank Castorf inszeniert Nelson Rodrigues und Heiner Müller in São Paulo

Theater heute - Logo

War da was? Oder besser: Was war da? Denn eigentlich hat ja niemand die «Copa da Cultura» übersehen können, diesen Marathon der Künste, den Brasilien, das Aufsteiger-Land mit den maßlos überschätzten WM-Favoriten, dem Gastgeberland des Kicker-Gipfels beschert hatte, pünktlich zu Beginn mit dem feinen kleinen Festival «Brasil em Cena» auf den Berliner HAU-Bühnen, erst recht dann mittendrin und auch noch danach.

Allerdings hätten sich die brasilianischen Kultur-Strategen um den singenden Minister Gilberto Gil wohl besser nicht so sehr auf die deutsche Hauptstadt konzentriert; deren Interesse schwächelte, wie immer, recht schnell.

Umgekehrt setzte Frank Castorf in São Paulo den vorläufigen Schlusspunkt der deutschen Gegenbesuche in Brasilien – nach dem Gastspiel seiner jüngsten Brecht-Betrachtung im Dickicht brasilianischer Städte hat Castorf erstmals mit (fast) komplett brasilianischem Ensemble einen Text des landeseigenen Klassikers Nelson Rodrigues inszeniert. Und damit er sich dabei etwas wohler und vertrauter fühlte, hat er bei den Rodrigues-Erben die Erlaubnis einholen lassen, Heiner Müllers «Auftrag» in die Rodrigues-Dramaturgie zu mischen. So bekam der Abend wieder mal einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit dem Ereignis auf du und du

Im Anfang war «Die Zeit». Was meint: Die Theaterfeuilletons des Benjamin Henrichs. Während der Lokalzeitungskritiker bei den Premieren des schwäbischen Stadttheaters damals, Anfang der Achtziger, dicht vor der Rampe lauerte und das Gesehene hinterher buchhalterisch mit Daumenrauf-Daumenrunter-Bemerkungen versah, war dort, im überregionalen Wochenblatt, einer, der –...

Besser als Bond

James Bond steckt im Detail. Tom, der Waffenhändler, preist seine Pistole als «James Bond-mäßig» an. Paul, ein seltsamer Intellektueller, der erstens eine Beziehung mit einer Vierzehnjährigen hat und zweitens Waffen so richtig scharf machen kann, hasst James Bond, denn Paul hat mit der Einfachheit der Masse nichts gemein. Und Danny, der Mann, der die Waffe kauft,...

Ethnovati, Girlietochter

Eine Bettszene in schneeweißen Laken. Jean-Luc (19): «Hier. Ich habe den Feynman für dich ausgeliehen.» – Catherine (18): «Danke. Jetzt nicht.» Feynman ist der Stephen Hawking für gehobene Ansprüche, also nobelpreisdekorierte Quantenphysik mit Populärfaktor. «Danke. Jetzt nicht» – das ist eine Antwort, die es eine Nummer kleiner will, und klingt nach einem...