Nachrichten vom Seelensofa
Friedrich Hofreiter muss zu seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts eine imposante Figur gewesen sein: Gründerzeit-Industrieller mit Millionenvermögen und einer Villa in Baden bei Wien, wo die Gattin Genia residiert, die er regelmäßig mit gelangweilten Ehefrauen der besseren Gesellschaft betrügt; der Sohn geht in England aufs Internat. Außerdem spielt er ehrgeizig gutes Tennis und fährt sogar ein Automobil! Gar nicht unspannend, wie aus Herrn Hofreiter bei Schnitzler dann langsam die Luft entweicht.
Nachdem Alvis Hermanis «Das weite Land» in Wien in einen Schwarze-Serie-Krimi verwandelte hatte (s. TH 11/11) und Martin Kusej in München in ein erhabenes Trauerweiden-Parlando (TH 1/12), nähert sich Jette Steckel dem Stück mit einer regiekünstlerischen Zangenbewegung. Zunächst wird das Personal auf zeitgenössischen Mittelstand zurechtgestutzt und dann äußerlich auf einer brachialen Neurotiker-Schüttelstrecke um den Rest von innerem Halt gebracht.
Am heftigsten werden Hofreiter und seine aktuelle Geliebte Erna der Jämmer- und Lächerlichkeit überstellt. Der souveräne Libertin bebt schon in der ersten Szene vor Eifersucht, wenn der kleinste Untreueverdacht auf seine Frau fällt, um ihr im ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Berlin, Seite 48
von Franz Wille
Ohne weiteres kann man die Frankfurter Aufführung als Film beschreiben, stellenweise sogar als erstaunlich gelungenes Remake jener Verfilmung von 1951 mit dem jungen Marlon Brando, an die in diesem Zusammenhang alle denken: zwei bühnengroße Leinwände, auf denen die Schauspieler meist in Close-Ups zu sehen sind, meist sehr close, dazwischen eine entsprechend...
Ein paar Tische auf einer sonst leeren Bühne, über der ein Billboard im Stil der 1950er Jahre schwebt und das auf Englisch und in wechselfarbigen Neon-Buchstaben zum Leben in den Vororten einlädt («Train fares are SO CHEAP») – das ist alles, was Intendant Enrico Lübbe und sein Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt brauchen, um «Zeiten des Aufruhrs» in Szene zu setzen....
Die Intendanz eines gut laufenden Theaters zu übernehmen, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man auf ein an zeitgemäßen Theaterformen geschultes Publikum vertrauen, muss wenig Aufbauarbeit leisten. Andererseits steht man in Schuhen, die einem leicht zu groß erscheinen können. Einfach ist es also nicht für Christian Firmbach, seit dieser Saison...
