Regeln der Kritik
Was erwartet der Bühnenkünstler von der Theaterkritik? Und wem dient der Kritiker? Was helfen Hymnen und Verrisse? Und werden sie überhaupt gelesen? Wie verletzlich ist ein Schauspieler, und was lesen Kulturpolitiker? Wie sähe eine konstruktivere Kritik aus, und kann es dergleichen überhaupt geben?
Ein Gespräch über Theaterkritik mit dem Schauspieler Josef Bierbichler, dem Performance-Freestyler Christoph Schlingensief, dem Dramaturgen und Ex-Kritiker Roland Koberg und dem Regisseur und Theaterleiter Thomas Ostermeier
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Wenn Muriel Gerstner ein Bühnenbild entwirft, wird immer ein besonderer Spielraum daraus. Man kann das eine Regel nennen, im Nachhinein.
Aber vorher helfen nur ausgreifende Lektüren und – vielleicht – ein Foto von Freud über dem Sicherungskasten im Atelier: Judith Gerstenberg, bisher Dramaturgin in Basel, begibt sich auf Spurensuche, nicht ohne Fallen.
… wurde 2006 dem Ärgernis des Jahres zuteil: Mehr als die Hälfte unserer 38 Kritiker, nämlich 24, erregten sich über die allseitige Regelverletzung der sprichwörtlich gewordenen Frankfurter «Spiralblockaffäre» und einem mit Ignoranz glänzendem «Spiegel»-Artikel des Pop-Literaten Joachim Lottmann im Gefolge, in der sich Schauspieler, Intendantin, Oberbürgermeisterin...
Und wie halten es die Dramaturgen in der nächsten Saison mit ihren Lieblingsstücken? Eher Textflächen gefällig oder Figurendramatik, soll wieder erzählt werden, und wenn ja, von was? Ist Handlungsstärke gefragt, oder lasten die Zustände auf den Menschen? Die neuen Regeln der Saison – Stücke von Sergi Belbel, Lukas Bärfuss, Dimitré Dinev, Reto Finger, Jon Fosse,...
