Das Wortlosspiel
Wenn alle Schlachten zwischen Mensch und Welt geschlagen sind, dann enden große Erzählungen gern jenseits von Raum und Zeit: im Hinterzimmer des Bewusstseins. So war das in Stanley Kubricks «2001: A Space Odyssey» oder in David Lynchs «Twin Peaks» oder letztens in Sebastian Hartmanns Tolstoi-Adaption «Krieg und Frieden» (s. TH 11/2012), als man mit flimmernden 3-D-Animationen von Tilo Baumgärtel durch barocke Hallen voller Lebens- und Todesbilder raste.
«Mein Faust», Sebastian Hartmanns letzte eigene Premiere seiner Leipziger Intendanz, beginnt bereits in einem solchen Nirgendwo: Ein psychedelisches Hoftheater öffnet seinen roten Samtvorhang. Vor einer großpixeligen roten LED-Leinwand schreiten adlige Damen mit surreal riesigen Perücken und livrierte Höflinge auf eine altertümliche Souffleurmuschel an der Rampe zu. Streicher-Sounds setzen ein, harte Bass-Drums, Synthie-Klänge, kredenzt von einem langhaarigen Maestro an Klavier und Rechner, der genau so ist, wie ihn der gewohnt lakonische Leipziger Programmzettel ausweist: «nackt».
Nach all den Auseinandersetzungen mit der städtischen Bürgerschaft, die diese Intendanz über ihre fünf Spielzeiten hinweg begleiteten, hat sich Hartmann ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christian Rakow
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Wenn es an diesem Abend tatsächlich um «Tilla» gegangen wäre, nämlich um die große Schauspielerin Tilla Durieux, dürfte man durchaus erbost sein. Sie gehörte zur Schauspieleravantgarde des 20. Jahrhunderts, hat in den 20er Jahren Piscators Experimentier-Volksbühne mitfinanziert und musste mit ihrem dritten Mann, dem jüdischen Kaufmann Ludwig Katzenellenbogen, 1933...
Es war sein erfolgreichstes Drama und sein größter Misserfolg zugleich: «Die schmutzigen Hände», Jean-Paul Sartres Stück über einen politischen Auftragsmord, hat sich am Abend der Uraufführung 1948 in Paris verselbständigt – und alle Versuche des Autors, es wieder einzufangen, zeigten sich wenig effektiv. Publikum und Kritik feierten das Stück als...
