Leser schreiben
Sehr geehrter Herr Detje,
wenn ich wirklich der Auftragskiller unserer Wahrnehmungsfähigkeit bin, dann sind Sie mir offensichtlich durch die Lappen gegangen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit scheint mir nicht nur intakt, sondern sogar aufs höchste, beinahe neurotische zugespitzt. Ihren ultraverfeinerten Wahrnehmungsorganen haben Sie Nuancen abgerungen, die außer Ihnen noch niemand aufgespürt hat.
Friedhofsblumenduft? Gesichtsmuskeln, die Deutschland dienen wollen? Wahnsinn, wie mache ich das bloß?
Dabei dachte ich immer, seit ich als Schüler in «Unsere kleine Stadt» jämmerlich versagt habe, das Theater sei sicher nicht mein Ding. Und jetzt gebe ich offenbar überzeugend den Gefühlsparasiten. Und schreibe sogar noch die Texte für meine Aufführung selbst, bin nämlich nicht nur Schauspieler, sondern auch noch Dichter unseres allabendlichen Nachrichtendramoletts!
Fast wäre ich stolz, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass Ihr schöner Text weit mehr mit Ihnen als mit mir und meiner Arbeit zu tun hat. Wenn es Sie interessiert, können wir uns ja einmal ernsthaft über Nachrichteninhalt und Nachrichtenpräsentation unterhalten.
Was Sie abstößt, weiß ich ja nun – vielleicht legen Sie mir dar, ...
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