Sprachlosigkeit der Liebe
Das Foyer der Kammerspiele ist in rotes Licht getaucht. Herzen zieren die Wand hinter einer Kleinkunstbühne, auf der in der Pause Chansons vorgetragen werden und Lebenspraktisches von Bertolt Brecht: «Am besten fickt man erst und badet dann.» Ein zweiter Raum empfängt in kühlem Neonambiente. Auf einer Leinwand laufen hausgemachte Kurzfilme über Liebeslust und Liebesweh. «Hurt», singt Johnny Cash. Gegenüber, auf einer geräumigen Spielwiese, verwirklicht ein Zuschauerpärchen kuschelnd die Botschaft dieses Abends: Es ist «Zeit zu lieben».
Die zweite Cottbusser Theaternacht – nach «Zeit für Helden» im November – verlangt vom Besucher wiederum eine Entscheidung zwischen jeweils zwei parallel aufgeführten Stücken: «Past Perfect» von Nicky Silver oder «zeit zu lieben zeit zu sterben» von Fritz Kater; «Werther. Sprache der Liebe» von Kristo Sagor oder «Welche Droge passt zu mir?» von Kai Hensel. Die Herausforderung, mit dem glücklich zu werden, was man ausgewählt hat, passt schön zum Thema. Beginnt doch Liebe, wenn man aufhört, sich über Alternativen den Kopf zu zerbrechen.
Fritz Katers «zeit zu lieben zeit zu sterben», inszeniert von Leyla-Claire Rabih auf der Probebühne des Hauses, räumt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
André Jung ist Thorsten Fechner. In zweiter Linie. In erster Linie ist André Jung natürlich Harpagnon, der Geizige von Molière, aber dieser Jungsche Geizige kommt nun in all seinen geldgierigen und triebunterdrückten Äußerungen exakt genau so daher wie der ebenfalls äußerst geizige Thorsten Fechner aus der ARD-Daily-Soap «Marienhof». Außerdem ist «Marienhof» die...
Dieser Parzival ist ein Pumuckl. Nicht äußerlich, da sieht er eher aus wie Mogli aus dem Dschungelbuch, ein nacktes Jüngelchen mit windelartigem Schurz. Aber innerlich. Ein Lausbub von begrenztem Intellekt, dafür mit ausgeprägter Klabauterschläue. Ein sympathischer Egoist, der zwar von Gott redet als einem Baum, dessen Blatt er ist, für den in Wahrheit aber dieses...
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
