Gustafs Güllen
Vielleicht macht der Ort es notwendig, die Stimme zu erheben, um sich bemerkbar zu machen. Was die Tonfrequenz betrifft, hatte der Beginn der neuen Düsseldorfer Schauspielhaus-Intendanz etwas marktschreierisch Buntes, fleißig assistiert von der Präsenz der Intendantin Amélie Niermeyer in den Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Flankierende Maßnahmen, um sich zu erklären im Widerspruch von Öffentlichkeit suchendem und distanzierendem bis misstrauischem Verhalten.
Auf der Beton-Brache des Gustaf-Gründgens-Platzes verhallt alles so leicht.
Erinnerungen und Erfahrungen werden geschluckt. Seltsam resistent gegenüber ästhetischen Positionen und Herausforderungen, als seien Gosch, Gotscheff, Schleef spurlos vorübergegangen, lullt sich das Publikum stets aufs Neue ein und gibt sich süßem Vergessen hin. Was Urteilsvermögen anbelangt, nützt es offenbar wenig, dass dem Schauspielhaus direkt benachbart das Theatermuseum ein Archiv der Bühnengeschichte unterhält.
Anscheinend korrespondiert etwas zwischen der Qualität eines Theaters und der Rezeption vor Ort. Die Mobilisierung identifikationsstiftender Stimmung findet neben einer Publikumssteigerung von satten 16 Prozent Ausdruck im «Gustaf», ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Haltbare Folgen hat der Betrug, doch keine Konsequenzen – sieben Jahre lang führt Paul, aus der Berliner Firmenzentrale nach Paris versetzt, ein Doppelleben an der Seine: mit Mathilde, die er in einer Ausstellung kennengelernt und die sich ihm als Kunst-Journalistin vorgestellt hat, und Natascha, der Mutter des gemeinsamen Kindes. Aber im Grunde steht er ihr und...
Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne. Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard...
