Mainz/Recklinghausen: Sündenfall im Kautschukboom
Die AfD stürmt die Landtage, der sogenannte IS attackiert europäische Werte und vermeintliche Sicherheiten, die postkoloniale Gegenwart holt uns in Form von Millionen Flüchtenden ein, und im Kino haben Superhelden und andere Weltretter Hochkonjunktur. Kein Wunder, dass Thomas Köcks «paradies fluten (verirrte sinfonie)» den sicheren Weltuntergang gleich an den Anfang stellt, das Verglühen allen Erdenlebens, wenn die Sonne sich in 1,3 Milliarden Jahren zum Roten Riesen aufblähen wird.
Es ist das Stück zum Zeitgeist, das ultimative Endspiel, in dem alles den Bach runtergeht – und das auf ziemlich größenwahnsinnige Art und Weise: Der mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnete Text des 1986 geborenen Autors gliedert sich in drei Sätze mit Ouvertüre und Coda, als Besetzung stellt sich Köck «ein erschöpftes tanzensemble» und ein «ertrinkendes sinfonieorchester» vor, dazu noch eine Handvoll Schauspieler*innen als «postparzen» und «schreckgespenster». Gut gebrüllt, Löwe!
Die Uraufführungspraxis des deutschen Theaterbetriebs kommt aber etwas reduzierter daher. Für Sara Ostertags Uraufführungsinszenierung, eine Koproduktion von Ruhrfestspielen Recklinghausen und Staatstheater Mainz, reichen ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft. Eine geschlagene Viertelstunde lang steigert...
Die Bilder, die der Fotograf Joel Goodman in der letzten Silvesternacht in Manchester aufgenommen hat, zeigen zwei Seiten desselben Ereignisses, sehr oft in ein und demselben Foto. Auf der einen herrscht Krieg, Chaos, Endzeitstimmung. Polizisten und Sanitäter versuchen, schreiende, prügelnde und kotzende Gestalten aus dem Verkehr zu ziehen, mitten auf der Straße...
Es ist das ultimative Grauen, der Tiefpunkt im Leben von TV-Mann Phil Connors: der traditionelle Murmeltier-Tag in Punxsutawney. Im Zeitschleifen-Selbstopimierungs-Klassiker «Und täglich grüßt das Murmeltier» ist Connors (Bill Murray) dazu verdammt, die ödesten aller öden 24 Stunden wieder und wieder zu durchleben, bis, ja bis es ihm gelingt, das absolut Beste aus...
