«Seen anything good?»
Das Edinburgh Festival feierte in diesem Jahr nicht nur die Kunst, sondern auch seinen 60. Geburtstag. In frühen Jahren stellte das International Festival mit großen Regienamen die Hauptattraktionen; das Fringe Festival, zeitgleich von freien Gruppen und Hippies aller Art mehr schlecht als recht organisiert, lief eindeutig nebenher. Heute kommt das Gros der Besucher wegen des Fringe-Angebots – und gönnt sich dazwischen nur ab und zu einen ausgewählten Beitrag aus dem International Festival.
Apropos auswählen.
Dieses Jahr konnte man im Fringe Programm angeblich rund 1800 Produktionen sehen. Was, wie ein eifriger Journalist errechnete, sähe man sich tatsächlich alles an, gut fünf Jahre dauern würde. Da das Festival nur den Monat August umfasst, muss man also heikle Entscheidungen treffen: «what to see, what not to see». Das ist die Frage. Es gibt verschiedenste, über Jahre erprobte Orientierungsstrategien: das dicke Programmheft durchblättern, bis einem Stücknamen vor den Augen verschwimmen, sich von den Massen flugblattwedelnder Schauspieler auf der Royal Mile beschwatzen lassen, sich auf die größten und wichtigsten Fringe-Theater konzentrieren, die eine gewisse Qualität garantieren ...
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Rechts ist Preußen. Links liegen die Vereinigten Staaten von Amerika. Dazwischen zieht sich ein schmales Bühnenfeld für den Atlantischen Ozean, über den ein hölzernes Boot – gewiss nicht stabiler als die Seelenverkäufer, die afrikanische Flüchtlinge an Europas Küsten spülen – die deutsche Auswandererfamilie Mentis ins Gelobte Land schifft. Aber Miss Liberty...
Büchners «Woyzeck», so will es die Sagenschreibung, soll bereits für den Teenager Neil LaBute von immenser Bedeutung gewesen sein. So sehr, dass LaBute schon sehr jung – jünger als Büchner selbst war, als er sich den «Woyzeck» 23-jährig von der Seele schrieb – den Stoff ins Amerikanische übersetzt haben soll. Und dann, als LaBute viel später einmal als großer...
Ein Arbeitstag wie ungezählte andere auch im Theater: Repertoirevorstellung, auf dem Spielplan steht Shakespeares finstre Fabel vom dritten Richard. Gerade ist sie bis ins blutige Finale gelangt, und das Publikum, an diesem Abend zum Beispiel das in Hannover, hat sich ja mittlerweile selbst jenseits der breiteren (und oft schon recht ausgetretenen) Trampelpfade der...
