Von Brasilien nach Deutschland und zurück

So viel Kulturaustausch war nie: Dea Lohers «Das Leben auf der Praça Roosevelt», aufgeführt in Sao Paulo

Theater heute - Logo

Es lohnt sich, die Geschichte noch einmal ganz schnell und von vorn zu erzählen. Denn sie beginnt mit einem Motto, das sich die Kunst-Biennale in Sao Paulo für die Ausgabe des vorigen Jahres gab: «Terreiro livre», was frei übersetzt in etwa «Niemandsland» bedeutet und diesen Stadt-Raum akkurat beschreibt.

Das Goethe-Institut vor Ort, zentral zuständig für das deutsche Kulturprogramm in ganz Südamerika, lud die deutsche Dramatikerin Dea Loher ein, ein Stück in und womöglich auch über Sao Paulo zu schreiben, das am Hamburger Thalia Theater uraufgeführt und danach als Gastspiel nach Brasilien (und zur Eröffnung eben dieser Biennale) eingeladen werden sollte. «Das Leben auf der Praça Roosevelt», so heißt das Stück, reiste also zunächst als fremde Fantasie und im Kopf der Autorin von Brasilien nach Deutschland, dann, als fertige Inszenierung von Andreas Kriegenburg, wieder nach Sao Paulo zurück; und wurde in diesem Jahr auch zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Jetzt aber ist es endgültig dort angekommen, wo es entstand: auf der Praça Roosevelt in Sao Paulo und in einer Inszenierung des winzigen Theaterchens, das sich «Espaco Os Satyros» nennt und in fünf schwierigen Jahren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2005
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Probebohrungen auf Neuland

Was macht man als neu angetretene Theaterleiterin mit einem Foyer, das eigentlich überhaupt keines ist und auch niemals eins werden wird, da es nicht zu diesem Zweck gebaut wurde? Das «Juta», einer der beiden Spielorte des FFT (Forum Freies Theater), besitzt die zugige Anmut öffentlicher Amtsstuben und großräumiger Wartehallen. Bescheiden fügt es sich in die zweite...

Der kommende Schrott

Im deutschen Wald riecht es würzig. Fledermäuse schießen durch die Sommerabendluft, und der aufgehende Vollmond gießt milchiges Licht über die grasbewachsenen Militärflugzeughangars, deren Pforten so aussehen, als fange dahinter die Unterwelt an. Doch der schwarzromantische Schein der Idylle trügt. Im Wald von Neuhardenberg ist die Kunst ausgebrochen. 

Ein Muezzin...

Jenseits der Posen

Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon...