Sanftheit generiert Rhythmusprobleme
Nach der Erzählung eines Bekannten … (der einen Antrag stellte zur finanziellen Förderung eines Theaterprojekts. Und weshalb gesprochen werden konnte, und deshalb umgehend die Gelder geflossen sind.)
Ich würde gerne einen Antrag auf Gelder schreiben und stellen, und darin mit meiner erworbenen Kompetenz glänzen und wissen, dass die am anderen Ende verstanden wird (und ich die Gelder bekomme), und weder ironisch noch zynisch sein und mich auch nicht verstellen müssen, weil ich diffus irgendeinen Grund wüsste, wofür sich das Gremium gerade interessiert.
Ich will nicht damit belästigt sein, dass das Gremium, das über mich entscheidet, viel eher an meiner Sanftheit interessiert sein könnte, daran, dass ich ihm als ein sanfter Typ bekannt bin, der gut mit Leuten umgehen kann. Nein, das ist nicht das, was ich gelernt habe. Sanft sein, das will ich nicht auf den Markt werfen, mit einem Gedanken, der mein kompetentes Schreiben durchkreuzt. (Sanftsein, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, gehört der Ökonomie, dem Geld. Mein Antrag auf finanzielle Förderung meines Projektes aber würde die Sprache kennen.)
Ich möchte in einer Gesellschaft leben, wo Anträge geschrieben und gelesen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: René Pollesch, Seite 38
von René Pollesch
Ein deutscher Reisebus auf dem Weg nach Schlesien. Amüsiert nehmen wir Teil an Dirk Lauckes Kaffeefahrt «heim ins reich zu den stätten unserer scheißarischen ahnen». In seinem neuestem Stück «Alles Opfer! oder Grenzenlose Heiterkeit», verfasst für die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Staatsschauspiel Dresden, erfreuen wir uns an fröhlichen Rentnern und...
Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusammenhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der...
Theater heute Drei Regisseure, die sich entschlossen haben, Verantwortung für ein Theater zu übernehmen, sitzen hier am Tisch: Johan Simons ist bereits seit einem Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, Martin Kusej übernimmt zur nächsten Spielzeit das Bayerische Staatsschauspiel in München, Staffan Valdemar Holm das Schauspielhaus in Düsseldorf. Eine Runde von...
