Mehr geht eigentlich nicht
Eines Tages wird jeder denken, was er gerade denken will», hat Andy Warhol einst gedroht, «und dann werden wahrscheinlich alle dasselbe denken.» Betrachtet man die politischen Lockerungsübungen, die Samuel Finzi und Wolfram Koch zum Auftakt von Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung absolvieren, beschleicht einen der Verdacht, der Zustand sei längst eingetreten: identische Krawatten, identisches Grinsen beim Schulterschluss, deckungsgleiche Choreografie beim Abtritt von der Wahlkampftribüne.
Irgendwann stehen die diplomatischen Clowns an der Rampe und lachen sich tot; wahrscheinlich über den gemeinsam hintergangenen Souverän oder einen international kompatiblen Blondinenwitz. Immerhin aber offenbaren sich im lachbegleitenden Schulterbeben endlich fundamentale Differenzen: Der Würdenträger, den Samuel Finzi genüsslich vorführt, laboriert eindeutig an Geschmeidigkeitsdefiziten im oberen Rückenbereich. Klassischer Fall von Underdog-Verkrampfung: Den wollte schon in der Grundschule niemand in der Fußballmannschaft haben. Wenn da jetzt überhaupt was läuft in der Nackengegend, handelt es sich einzig und allein um das Arbeitsergebnis von Yoga-Cracks und fähigen PR-Beratern.
Ganz ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Die Inszenierung des Jahres, Seite 106
von Christine Wahl
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
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Wer...
Der Dramaturg, der liest die Stücke durch. Mag er sie lieber nicht, war Lesen seine Pflicht. Es fliegt das Manuskript, bis die Schreibtischlampe kippt. Doch wenn sie ihm gefallen, gibt er sie nachher allen. – So werden aus Lieblingsstücken bedeutende Uraufführungen: eine Auswahl der größten Chancen der nächsten Saison
Neue deutsche Kunst boomt in Amerika. Jedenfalls die Malerei der Leipziger Schule von Neo Rauch bis Matthias Weischer und die Düsseldorfer Fotografen um Struffsky und Co. Und nach seinem Oscargewinn versucht mit Florian Henckel von Donnersmarck mal wieder ein deutscher Autorenfilmer, Hollywood zu erobern, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Dabei gleicht der Hype...
