Sand im Getriebe
Ein Buch wie ihr Spiel, ein freies Schweifen, Assoziieren, sich treiben lassen: durchs Schöne und Schäbige, das Kleine und das Große, der Rittersporn so wichtig wie die Iphigenie, das Theater nur eine Lebens-Facette von vielen. Angela Winkler, das ewige Mädchen, die Unverwechselbare und Unberechenbare, hat keine Memoiren geschrieben, sondern mit Hilfe ihrer langjährigen Wegbegleiterin, der Dramaturgin Brigitte Landes, ihre Erinnerungen ein wenig sortiert, ihre Tagebücher gesichtet, ihr Leben in leichten Sprüngen erzählt.
Ihre «autobiographischen Skizzen» sind ein Kaleidoskop von Naturerlebnissen, Anekdoten (gerne von Autos und von Hunden), vom Schweren und vom Schönen – und Fotos, viel mehr Fotos von ihren Kindern, ihren Häusern, als vom Theater.
Ein Leben, das 1944 im brandenburgischen Templin der anderen Angela beginnt; aber schnell verlässt die Familie die DDR, erst nach Hamburg, danach eine Odyssee bis nach Süddeutschland. Sie ist fünf, als der Vater aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Wir erfahren nicht viel über Herkunft und Familie, nur dass sie die Schule nicht mochte, so wenig wie die Schauspielschule in Stuttgart, die sie verlässt, um in München bei ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Büchermagazin, Seite 42
von Barbara Burckhardt
Ein Hausflur, vollgepumpt mit Tränengas. Die Berlinerin Janina und die Istanbulerin Umut, beide Mitte 20, lernen sich im Juni 2013 an einem ungemütlichen Ort kennen: inmitten der Proteste gegen die Zerstörung des Gezi-Parks in Istanbul, als die Polizei massiv gegen die ParkbesetzerInnen vorgeht. Janina ist zufällig hineingeraten, Umut als Aktivistin der...
Wir sind hier aufgewacht» – so hätte die erste Premiere passend heißen sollen, mit der Andreas Beck seine Intendanz am Münchner Residenztheater eigentlich eröffnen wollte. Eine Versuchsanordnung über das Geworfensein des Menschen in die Welt hatte Regisseur Simon Stone auf der Basis von Calderón und Marivaux entwickelt und halb geprobt, als er die Nachricht bekam,...
«Ich bin’s», hört man Anita Vulesicas Stimme zunächst aus dem Dunkel, «die mit den zwei Stimmlagen.» Klingt gut – stimmt aber nicht. Tatsächlich sind es mindestens zweihundert Facetten, in denen die Schauspielerin hier mit ureigenem Witz ihre Lebensbetrachtungen in die Karrierestationen des Popstars Madonna hinein verschachtelt. Der Soloabend «Mother», den Vulesica...
