Was spielen sie?
Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein pragmatischer Gymnasialpädagoge, der aufmüpfige Pennäler zur Strafe vor die Tür schickt. In jedem Falle steht dieser Staatschef a.D. mit beiden Anzugbeinen fest auf esoterikfreiem Boden.
Selbiger besteht in Holk Freytags Inszenierung aus einem leeren schwarzen Kasten, der auf den ersten Blick wie ein Entwurf von Jürgen Goschs Bühnenbildner Johannes Schütz aussieht, de facto aber von Michael Thalheimers Bühnenbildner Olaf Altmann stammt und beim zweiten Hinsehen jede Menge dramaturgischer Schlupflöcher offenbart: Aus dem Boden fahrende Kleinstpodeste und eine am hinteren Bühnenende versteckte Treppe entpuppen sich als komfortable Auf- und Abgangsschächte, von denen die Mitglieder des Hofstaats wechselweise verschluckt bzw. aus denen sie wieder ausgespuckt werden.
Die Frage ist nur: Wozu eigentlich? Nicht, dass nichts passierte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei Schwestern im Geist sind Mascha und Julia, von Tschechow so entfernt wie ihre «Proletenstadt» Toljatti von einer Garnisonsstadt in der Provinz – also alles in allem nicht sehr weit. Die Unterschiede sind gradueller Art – das existenzielle Sehnen bleibt. Toljatti heißt nach dem ehemaligen Generalsekretär der italienischen KP Palmiro Togliatti und ist der Ort,...
Der Weltreisende ist ungnädig mit den Künsten. Im Theater habe er sich stets gelangweilt, teilt er dem Mathematikgenie mit. Ganz richtig, ruft Gauß, und Humboldt mäkelt weiter. Jetzt über Romane, die sich in Lügenmärchen verlören, weil der Verfasser seine Flausen an die Namen geschichtlicher Personen binde.
Wir befinden uns auf Seite 221 und damit im letzten Drittel...
Zwerge kommen und gehen, Knaben verlieren Haupt und Leben, eisige Damen rätseln, von wem sie gerade entjungfert wurden. Hebbels «Trauerspiel in drei Abteilungen» ist passagenweise ein markiger Erzählstoff für lauschige Stunden am Lagerfeuer. Genau dort ist der urdeutsche Mythos in Heidelberg inzwischen auch angekommen. Die Recken rund um Hagen hausen im...
