Zerbrechlich bleiben
Ein kahles Gästeappartement, hineingestellt in die große Spielhalle der Münchner Kammerspiele. Zwei Männer treten auf, beide um die Dreißig, der eine spillerig dürr, der andere das Gegenteil davon. Sie ziehen sich splitternackt aus und sind zwei Stunden lang einfach da. Ohne ein Wort zu sprechen, spielen sie alle Phasen einer menschlichen und künstlerischen Begegnung. Eine halbe Stunde lang stehen sie sich Auge in Auge gegenüber und verknoten die Arme, mal heftig und mal sanft, Berührung provozierend, geschehen lassend und abwehrend. Später wird auch noch geküsst und gekämpft.
Jede Bewegung, die passiert, die Umarmung ebenso wie das keuchende Kräftemessen, ist real und dabei doch reines Theater, von zwei Profi-Akteuren in jeder Sekunde so gewollt, die bewusste Verabredung, etwas zu zeigen im Einklang mit sich selbst und jenseits von jedem Als-ob. So einfach, so klar, so ungeschützt und un-verschämt – ein, wenn man sich darauf einlassen mag, zarter und anrührend freier Abend und eine wohltuende Konzentration auf den Kern dessen, was Theater sein kann: den Blick auf das Andere und über dieses wiederum auf sich selbst zu richten. Man fühlt sich angenehm erinnert an den großen alten ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 120
von Silvia Stammen
Das Auswanderergeschäft im 19. Jahrhundert boomte. Amerika war das Ziel, und für besonders utopiefreudige Europäer sollte die Südhälfte des Kontinents bestimmt sein. Zum Beispiel Brasilien: Das hatte sich ein Hamburger Kolonisationsverein ausgeguckt, um mit der Verschiffung deutscher Migranten das ganz große Geschäft zu machen und – so ganz nebenbei – den Traum...
Die schönen Tage von Middlesbrough sind längst vorbei. Im 19. Jahrhundert galt die Stadt im Nordosten Englands als Eldorado der Eisen- und Stahlindustrie. Danach ging es mit ihr bergab. Dem wirtschaftlichen Niedergang folgte der soziale. 2007 kam «Ironopolis» als «worst place to live in the UK» in die Schlagzeilen. Heute bricht Middlesbrough nur noch...
Monothematisch und zeitlos, undurchsichtig und mythisch überhöht, quälend und hoffnungsvoll ist dieser Text von David Grossman, und er liegt somit alles andere als im Trend derzeit gebräuchlicher Autorenstücke. Sein Thema ist der Verlust eines geliebten Menschen, eines Kindes, und er zeigt Schmerz, Unglück und Angst der Hinterbliebenen. Der Autor lässt vieles im...
