Jenseits des Semmering
Wer am Grazer Schauspielhaus arbeitet, hat einen unbestreitbaren Vorteil: Er kann das in aller Ruhe tun. Kein Schwein ruft an, und die internationale Presse rätselt seit Jahrzehnten darüber, wie man da eigentlich hinkommt. Selbst die Österreichische Bundesbahn schickt, eine gelinde Unverschämtheit, ihre klapprigsten Wagengarnituren auf die Südbahnstrecke über das Semmering-Gebirge in Richtung der steiermärkischen Hauptstadt. Für die Theaterkritik aber war das auch deshalb kein Problem, weil Theater in Graz noch nie wirklich funktioniert hat.
Zwar bemüht sich auch das in die Jahre gekommene Avantgarde-Festival «Steirischer Herbst», in Graz Theater zu machen, auch in Kooperation mit dem Schauspielhaus. Aber da gab es dann in der Diaspora die Uraufführung von Heiner Müllers «Bildbeschreibung», und keiner wusste so recht, wohin damit. Der große österreichische Romancier Gerhard Roth scheiterte mit seinen Dramen, der Lokal-Matador Wolfgang Bauer wurde nicht ernst genommen, und der Grazer Dramatiker Werner Schwab startete seine Karriere in Wien. Graz schien auf immer die Bühnenreife verfehlt zu haben.
Dann kam vor eineinhalb Jahren Anna Badora. Ein Rätsel, auch unter Kennern, wie sie nach ...
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Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker...
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