Düsseldorf: Guillermo Caldéron «Der Kuss» (U)
Die Tatsache, dass sich in arabischen Kriegsregionen Leute auch mal entspannt zum Fernsehen treffen, gehört nicht unbedingt zum Vorstellungsrepertoire westlicher Zeitungsleser. Es gehört ganz und gar nicht zum Bild, dass man sich gegenwärtig von Syrien macht – jener Region, die seit Anfang 2011 mit einem besonders brutalen Bürgerkrieg gepeinigt ist, deren Opfer die UN seit Januar 2014 nicht mal mehr zählt. Im Programmheft des Düsseldorfer Schauspielhauses geht man von 140.000 aus, Tendenz: täglich um 185 steigend.
Das Wohnzimmer auf der Bühne, irgendwo in Damaskus, ist ganz und gar nicht zerstört; in gediegener, intakter Well-made-play-Atmosphäre (Bühne und Kostüme: Anna Sophia Röpcke), zwischen Sofas, Couchtisch und Perserteppichen, finden sich nacheinander zwei Pärchen zum Soap-Gucken ein. Schon diese Verweigerung von erwartbarem Alltag in einer Kriegsregion macht das Stück «Der Kuss» des chilenischen Autors Guillermo Calderón, der nie in Syrien war und zwischen Santiago, New York und Düsseldorf jettet, sympathisch. Die schlimmen Zahlen werden eher nebenbei geliefert. Sein Auftragswerk ist weder wohlfeile Anklage noch unmöglich zu leistende Analyse des Syrienkriegs, sondern eine ...
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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Dorothea Marcus
Am 23. April sprühten die britischen Zeitungen, Theaterwebsites, Museumsankündigungen und Online-Event Seiten vor geistreich festlichen Wortspielen wie «Happy Bardsday», «Cakespeare» oder «All the World’s a Cake». Charmante Geburtstagsgrüße zu William Shakespeares vierhundertfünfzigstem. Vor allem aber lag der Stress adäquater Feierlichkeiten in der Luft. Wie bloß...
4./Mittwoch
21.45, 3sat: Clara Immerwahr
Fernsehspiel (2013) von Susanne Freund und Burt Weinshanker, mit Katharina Schüttler, Maximilian Brückner, Elisabeth Orth, Peter Simonischek,
August Zirner u.a., Regie Harald Sicheritz
12./Donnerstag
20.15, 3sat: 8 Frauen Spielfilm (2002), mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie...
So etwas wie politisches Theater hat es in den letzten zwei Jahrzehnten in Ungarn nicht allzu oft gegeben. Das spricht weder für das Theater noch für die Gesellschaft. Inszenierungen wie «Blackland» vom ehemaligen Krétakör Theater, das den Zustand von Gesellschaft und Politik reflektierte, waren die Ausnahme. Aber in den vergangenen Jahren und vor allem jetzt, im...
