Wilde Kirschen
In dem hübschen Paradiesgarten, den Andreas Kriegenburg auf der Bühne des Thalia Theaters hinter schweren Käfigwänden angelegt hat, geht es mächtig zur Sache. Unter blühenden japanischen Kirschbäumchen, die sich dekorativ von der blutroten Wand abheben, wickelt sich eine junge Geisha (Katharina Behrens) zu rauen Frauengesängen aus ihren Schärpen und löst ihr hochgestecktes Haar, bis sie, von einem spektakulären Rückentattoo einmal abgesehen, splitternackt auf der Bühne steht.
Ein Mann sieht ihr dabei zu; eine Frau läuft unruhig an der Käfigwand entlang und lässt beiläufig eine Messerklinge gegen die Gitterstäbe klackern, die das Geschehen halb verdecken und in ein rötlich flirrendes Licht tauchen.
Schon gerät man in Versuchung, die gut zehnminütige Exposition zur Bühnenversion von Ingmar Bergmans «Aus dem Leben der Marionetten» als mittelschwere SM-Bordell-Fantasie zu verbuchen. Doch im Lauf des Abends begreift man, dass er ohne die ästhetisierte Gegenwelt einfach nicht funktionieren würde. Es geht schließlich um genau diese Peinlichkeitsgefühle, um schwüle Symbolik, bedrohliche Sexualität und verdrängte Gewalt. Das ganze schreckliche Zeugs also, das man – schon gar live und auf ...
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Hey, Professor, übernimm dich nicht, rief sie mir zuletzt am Telefon zu, ich brauch dich doch, und dann kicherte sie wie ein Backfisch, wie sie es so gerne tat; albern nannte sie mich Higgins und sich Eliza, als ob irgendjemand ihr noch irgendetwas hätte beibringen können. Wie immer dann rheinische Abschiedsgrüße: Mach et joot!
Nun also hat sie sich selber...
Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...
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