Wilde Kirschen

Ingmar Bergman «Aus dem Leben der Marionetten»

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In dem hübschen Paradiesgarten, den Andreas Kriegenburg auf der Bühne des Thalia Theaters hinter schweren Käfigwänden angelegt hat, geht es mäch­tig zur Sache. Unter blühenden japanischen Kirschbäumchen, die sich dekorativ von der blutroten Wand ab­heben, wickelt sich eine junge Geisha (Katharina Behrens) zu rauen Frauen­gesängen aus ihren Schärpen und löst ihr hochgestecktes Haar, bis sie, von einem spektakulären Rückentattoo einmal abgesehen, splitternackt auf der Bühne steht.

Ein Mann sieht ihr dabei zu; eine Frau läuft unruhig an der Käfigwand entlang und lässt beiläufig eine Messerklinge gegen die Gitterstä­be klackern, die das Geschehen halb verdecken und in ein rötlich flirrendes Licht tauchen.

Schon gerät man in Versuchung, die gut zehnminütige Exposition zur Bühnenversion von Ingmar Bergmans «Aus dem Leben der Marionetten» als mittelschwere SM-Bordell-Fantasie zu verbuchen. Doch im Lauf des Abends begreift man, dass er ohne die ästhetisierte Gegenwelt einfach nicht funktionieren würde. Es geht schließlich um genau diese Peinlichkeitsgefühle, um schwüle Symbolik, bedrohliche Sexualität und verdrängte Gewalt. Das ganze schreckliche Zeugs also, das man – schon gar live und auf ...

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Theater heute Juni 2007
Rubrik: Chronik, Seite 44
von Eva Behrendt

Vergriffen
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