Endlich drin

Ein Mitglied der TT-Jury erklärt das Bemerkenswerte an 10 Inszenierungen

Theater heute - Logo

1. Im Februar, als alles vorbei war, die zehn Aufführungen nominiert und publik gemacht, fuhr ich, schon für meine zweite Jury-Periode, nach Graz zum «König Lear» von Peter Konwitschny mit Udo Samel. Es kam, wie es kommen musste: Im Foyer lief ich dem Kollegen St. über den Weg, der an der Auswahl in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», wie in den letzten Jahren, kaum ein gutes Haar gelassen hatte. Für ihn besteht sie aus sechs «abseitigen Projekten», also Nichtdramen, die er naturgemäß nicht gesehen hat, nicht einmal das seines geliebten Marthaler in Sils-Maria.

Und unter den vier Titeln des «dramatischen Restbestands» findet sich keiner seiner Favoriten.

Fröhlich schwäbelnd empfing er mich: «Ihr habt ja vielleicht einen Sch ... ausgewählt!» Im Unterton schwang mit: Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, ich kenne Sie doch anders!
Ich atmete durch und gab ebenso fröhlich zurück: «Was vermissen Sie denn? Welche echten Dramen?»

«‹Die Zofen› von Bondy unbedingt», kam es ganz schnell.

Einen Moment lang war ich verblüfft. Ich hatte den «Zerbrochnen Krug» von Stein erwartet, sozusagen als Dramen-Fels, an den wir Zwergbergsteiger uns nicht einmal herangewagt hätten. Aber «Die Zo­fen», diese ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2009
Rubrik: Prädikat Bemerkenswert, Seite 12
von Andres Müry

Vergriffen
Weitere Beiträge
It´s theatre, stupid

Die Mülheimer Theatertage und das Berliner Theatertreffen sind verwandte Festivals. Beide zeigen im Mai Höhepunkte der deutschsprachigen Theatersaison, für die Auswahl ist jeweils eine Jury aus Theaterkritikern verantwortlich. Der wesentliche Unterschied: In Berlin werden die zehn besten Inszenierungen des Jahres gezeigt, in Mülheim die sieben bis acht besten...

Im Rausch der Krise

Gleich zu Beginn kracht es gewaltig, wenn der graue Familien-Volvo senkrecht aus dem Schnürboden stürzt und sich hochkant in die Bühnenbretter bohrt. Zusammen mit einem horizon­talen, abwechselnd blau, weiß, roten Leuchtstreifen bildet er im sonst leeren Bühnenraum von Jens Kilian fortan ein groteskes Fanal abrupt beendeter Lebensträume, einer...

In der dritten Reihe

Als im vergangenen November das vormals völlig danieder liegende Kieztheater Ballhaus Naunynstraße neu eröffnet wurde, war den Machern ziemlich bang. Die frisch gebackene Theaterdirektorin Shermin Langhoff wollte sich angesichts eines Etats von 240.000 Euro lieber gar nicht Direktorin nennen. Wir sind ein Theater in der «dritten Reihe», betonte sie. Das Ballhaus...