Hinter den Kulissen
Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für das Theater selbst?
Tschechows Fabeln vom ungelebten Leben in der russischen Provinz müssen nicht, sie dürfen jedes Mal von vorn erfunden werden.
Christian Kiehl hat für Sebastian Schugs «Drei Schwestern» eine Art geschlossene Gesellschaft entworfen; marod-kahle Wände dichten die Bühne schon kurz hinter dem Portal nach hinten ab, Auf- und Abtritte werden vorzugsweise über eine kleine Treppe nach vorne aus dem Bild heraus erledigt. Und in diesem in sich gefangenen Ort entwickelt das Ensemble das Spiel sehr kollektiv und fast ganz aus sich selbst, fast ohne Requisiten und bei Saal-Licht; dass die jüngste der Schwestern, Irina, den Abend singend eröffnet, als leicht angepunkter Rockstar, muss im Übrigen als Authentifizierung fürs Hier und Heute genügen. Die Weggeschlossenheit dieses Lebens ohne Ausweg und Perspektive wirkt ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik Kassel, Seite 50
von Michael Laages
Das Kleistjahr 2011 hat uns eine neue dramatische Figur beschert. So wie Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater Berlin anlässlich des «Käthchens von Heilbronn» einen siebenfachen Heinrich von Kleist in historisierenden Knickerbockern aufbot, treffen wir auch in Robert Borgmanns Leipziger «Penthesilea»-Version auf den Autor himself (beziehungs– weise das, was der...
Per Geburtsdatum sind Anja Hilling, 1975 im Emsland geboren, und Oliver Kluck, 1980 auf Rügen, Fachleute für die Generation der Anfang- bis Mitt-30er, so genannte «Generationenporträts» sind ihre Spezialität. An denen herrscht zur Zeit auch am Büchermarkt kein Mangel: «Wir haben (keine) Angst» nennt Nina Pauer ihr Buch, in dem sie ihre Alterskohorte auf die Couch...
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst...
