Die Kraft der großen Erzählungen
Theater heute Ob «Baader Meinhof Komplex» oder «Operation Walküre», ob Armin Petras’ «Rummelplatz» oder Volker Löschs «Wunde Dresden» – Filme und Theaterinszenierungen fangen wieder an, deutsche Geschichten, deutsche Geschichte zu erzählen. Wenn man begriffstechnisch etwas höher greift, kann man übergreifende historische Großerzählungen auch Mythen nennen. Herr Professor Münkler, Sie haben gerade ein großes Buch über «Die Deutschen und ihre Mythen» vorgelegt, in dem es um diese Schnittstelle von Geschichte und Erzählung geht.
Was sind Mythen, und wozu brauchen wir sie?
Herfried Münkler Mythen erzählen historische Ereignisse und literarische Stoffe in der Regel in einer wenig komplizierten Weise nach. Sie vereindeutigen dabei, und sie nehmen Bezug sowohl auf Geschichte als auch auf Literatur. Im Fall der politischen Mythen dienen sie zum Zweck der Identitätsstiftung eines Gemeinwesens, eines politischen Verbandes, aber darüber hinaus dienen sie als Orientierung für die Zukunft, schaffen also Vertrauen und Zutrauen, dass die bevorstehenden Aufgaben gemeistert werden können.
TH Ein bisschen zugespitzt könnte man auch von nationaler Sinnstiftung sprechen.
Münkler Das kann so sein, ...
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Theater heute April 2009
Rubrik: Deutschland, Deine Mythen, Seite 4
von Eva Behrendt, Franz Wille
Barbara Burckhardt Hilmi Sözer, im Altonaer Theater in Hamburg spielen Sie zurzeit «Schillers Sämtliche Werke, leicht gekürzt», ein Abend von und mit Michael Ehnert in Anlehnung an den Shakespeare-Renner ähnlichen Titels. Sie spielen darin unter anderem sehr scheu und ernst Schillers Luise Millerin und müssen sich in der fingierten Probensituation, die den Rahmen...
Wie Burgtheaterkollege Peter Simonischek, der in Graz den Baumeister Solness spielt, gastiert nun auch Udo Samel in der österreichischen Theaterprovinz: In «König Lear», Peter Konwitschnys erster Schauspielinszenierung seit Jahrzehnten, spielt er die Titelrolle. Samel als Lear? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Der Schauspieler, der zuletzt hauptsächlich...
Zum Schluss sitzen da zwei Menschen erschöpft nebeneinander, ein Paar, das sich nichts geschenkt hat, sichtlich abgekämpft, aber dennoch ein Paar. Er schocksteif, mit schreckgeweiteten Augen und noch immer festgezurrter Krawatte, sie, im blutrot geblümten Abendkleid, leicht derangiert, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wüsste man nicht, dass gerade jeder von...
