Pop-up-Kafka
«Der Verschollene» sollte nach Kafkas Willen der Roman heißen, nicht «Amerika». Diesen Titel erhielt Kafkas unvollendetes Werk erst durch seinen Herausgeber Max Brod. Aber nicht der Mensch, der verschwindet, sondern das Land, in dem er verschwindet, steht in der Bochumer Bühnenfassung im Mittelpunkt. In Kafkas Roman gerät sein junger Held Karl Rossmann auch in der Neuen Welt in den alten, undurchschaubaren Kreislauf von Verführung und schuldloser Schuld.
Die Bochumer Inszenierung aber nutzt die Gelegenheit zu einer genüsslichen Abrechnung mit allen Amerika-Klischees, die irgendwo im Hirn der Zuschauer spuken könnten.
Die dritte deutschsprachige Inszenierung des polnischen Regisseurs Jan Klata beginnt
mit überdeutlichen Symbolen: Alle Figuren außer Karl sind als Baseballspieler in Sternen-
banner-Kostüme gehüllt (Kostüme: Mirek Kaczmarek). Sie schauen über eine Schiffsreling auf den naiven Emigranten Karl herab. Dieses Schiff ist der beste Einfall der Inszenierung (Bühne: Justyna Łagowska). Es besteht nämlich aus sechs fast bühnenfüllenden Prospekten, die nacheinander nach vorne klappen und jeweils den Schauplatz einer Szene markieren. Wenn die nächste Klappe fällt, stürzt sie auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Gerhard Preusser
Sage mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist. Anno 1959 ist das in etwa das Motto der rechtschaffenen Einwohner von Clybourne Park, einem schmucken Stadtviertel von Chi-
cago, das ausschließlich von Weißen bewohnt wird. Kaum zu glauben, dass Russ und Bev
ausgerechnet von hier wegziehen wollen. Doch wen die Ferne der Vororte ruft, den muss
man ziehen lassen....
Anklam, Landesbühne
Kasse: 039 71/20 89 25
8. Strahl, Ein irrer Duft von frischem Heu
R. Birgit Lenz
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
Tel.: 037 33/130 12 16
9. Berg/Bott, Drei Haselnüsse
für Aschenbrödel
R. Tamara Korber/Thomas Lange
Baden-Baden, Theater
Tel.: 072 21/93 27 00
8. Bode/Felden, Bei ihnen zuhause
R. Nicole Felden, Tobias Bode
...
Alvis Hermanis wurde im Westen zwar mit Gogols «Revisor» bekannt; berühmt aber ist der lettische Regiestar nicht für seine Repertoireinszenierungen, sondern für semidokumentarische Abende wie «Das lange Leben» oder «Väter», die er gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt. Um Shakespeare oder Tschechow hatte Hermanis bisher einen Bogen gemacht. Bei Shakespeare...
