Eine halbe Million Gedanken in einer Stunde
In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein Hund, die Menschen seiner Umgebung und sein verunglücktes Ich.
Der Gerichtssaalreporter, der häufig Leichen zu sehen bekommt, entnimmt seinem Alltag eine naheliegende Fantasie: Er ahmt das Denken eines Sterbenden nach, der durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist und in der ihm noch verbleibenden knappen Frist herausbekommen möchte, was ihm zugestoßen ist und welche Ursachen es dafür gibt. Das unmittelbar bevorstehende Ende befreit das Denken aus seinen Zwängen und konzentriert es auf die Aufgabe der Wahrheitsfindung. Das Material wird im Flug gesichtet, jedes Detail ist ein Beweisstück, jeder nicht zielführende Gedanke wird abgebrochen, es gibt nur kürzeste Denkwege.
«In der Höhe, Rettungsversuch, Unsinn», das letzte Buch, das Thomas Bernhard veröffentlicht hat, ist ein Fragment seines ersten Romans «Schwarzach – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Karl Baratta
In seinem Debüt «Feuergesicht» (1998) beginnen zwei Jugendliche einen selbstmörderischen Kampf gegen die Welt der Erwachsenen. Erst fackeln Kurt und Olga, ein inzestuöses Geschwisterpaar, ihre Schule ab. Dann töten sie im Blutrausch die eigenen Eltern. In «Freie Sicht» (uraufgeführt 2008 beim Adelaide Festival, Australien) beschreibt Marius von Mayenburg Terror und...
Vertrauensverlust und Erschöpfung scheinen in einem gegenwärtig leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zu stehen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Burn-out sind mangelhafte menschliche Bindungen. Offensichtlich scheint sich der seelische Akku nur im spielerischen, angstfreien Miteinander einander nahestehender Menschen wieder aufzuladen.
Dieser psychischen...
Wie wäre es, könnte man an dieser Stelle nicht nur von Plänen erzählen, sondern wüsste schon, wie das Stück und seine Inszenierung würden? Wäre das wünschenswert? All die kühnen Ideen, Hoffnungen und Projekte blühen doch am buntesten in der Vorstellung. Es ist die Lust am Risiko und, allen Einwänden zum Trotz, der Wunsch, das Theater, die Kunst einmal mehr auf die...
