Luxus in der Krise

Wohlstand in Gefahr: Das Burgtheater macht Verluste, Nicolas Stemann inszeniert Hauptmanns «Vor Sonnenaufgang»

Theater heute - Logo

Wenn sogar das reiche Burgtheater über Geld redet, muss die Lage wirklich ernst sein. Tatsächlich klagt die Burg neuerdings über finanzielle Sorgen: Weil die Subventionen seit zehn Jahren auf hohem Niveau (43,7 Millionen Euro) stagnieren, wird das Budget eng. In der Spielzeit 2003/04 machte das Burgtheater trotz tadelloser Auslastung 833.000 Euro Defizit; der Finanzminister aber denkt nicht daran, mehr Geld fließen zu lassen. Die fetten Jahre sind vorbei.

Und passend zur Subventionsdebatte hatte in der Burg der erste Teil einer Trilogie Premiere, deren Titel sich wie ein zynischer Kommentar zur (Luxus-)Krise des Hauses liest: «Wohlstand in Gefahr».

Tatsächlich ist das Motto natürlich globaler gemeint. Ausgedacht hat es sich Regisseur Nicolas Stemann, dem nach seiner erfolgreichen Inszenierung von Elfriede Jelineks «Werk» (siehe TH 6/03) ein Vertrag als Hausregisseur angeboten wurde. Stemann hat die seit den alten Griechen etwas aus der Mode geratene Idee der Dramentrilogie schon mehrmals aufgegriffen; aber während er verschiedene Inszenierungen bisher stets erst im Nachhinein oder mittendrin zum Dreierpack schnürte, steht die thematische Klammer diesmal bereits fest, bevor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ernst und unpathetisch

Peter Palitzsch, gestorben mit 86 Jahren, war auf eine entschlossen bescheidene Weise nur er selbst; und dennoch verkörperte sich in ihm die Idee eines bedeutenden, ernsten deutschen Theaters. Das wäre ein Theater, das sich selbst ernst nimmt – noch ernster aber die Anderen: das Publikum eines Abends, die Bewohner einer Stadt, die Bürger unseres Landes und, ja, die...

Die kursive Frau

Ihre Stimme kann komische Sachen machen. Auf dem Tonband unseres Gesprächs ist sie oft sehr leise. Nur wenn sie lacht, wird’s laut. Auf der Bühne aber hat Katja Reinke Stimmen zur Verfügung, die sie wie die Register einer Orgel zieht und überlagert. Fast unheimlich verwischt sie dabei akustisch ihr Alter. Am Telefon hätte man wenig Chancen, Reinke zu verorten. Kann...

Fun ist ein Schaumbad

Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...