Neuer Zirkus: Zusammenwirken und Vertrauen
Wie schnell man einen Ausnahmezustand für die Normalität halten kann, zeigt sich, wenn man das Ungewöhnliche der Ausnahme unter die Nase gerieben bekommt. Zum Beispiel im Genre des zeitgenössischen Zirkus. Dort lassen Artisten auch die absonderlichsten Leistungen meistens ganz leicht aussehen – ob sie sich nun zu Drei-Mann-Türmen übereinander stapeln oder einander bei Stürzen aus mehreren Metern Höhe knapp vorm Boden auffangen. Welche Schwerstarbeit all diese Vorgänge bedeuten, sieht man so gut wie nie.
Dabei lässt sich auch daraus Kunst machen – wenn man es so macht wie das Kollektiv My!Laika, das dem diesjährigen «Atoll»-Festival des Karlsruher Kulturzentrums Tollhaus einen fulminanten Abschluss bescherte.
Vorfreudige Verunsicherung
Mit zwei Programmen im eigenen Zelt war die internationale Truppe mit Sitz in Italien angereist, und schon allein dafür hätte sich das Festival gelohnt. Wo andere Artisten das Gewicht ihrer Körper durch ihre Kunst gewissermaßen verschwinden lassen, wird es bei My!Laika durch Shows mit Punkrock-Energie unterstrichen. Ob nun die famose Philine Dahlmann und Eiske van Gelder in «Popcorn Machine» ihre Akrobatik wie ein Martial-Arts-Duell auf Leben und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Andreas Jüttner
«Tut mir leid»: Das sind die ersten Worte in Alice Birchs «Anatomie eines Suizids». Clara (Julia Wieninger) hat versucht, sich umzubringen, und weil ihr Mann (Paul Herwig) das weniger mit Mitgefühl als mit Vorwürfen kommentiert, flüchtet sich Clara in die Entschuldigung. «Tut mir leid», der Satz wird noch mehrfach fallen, bei Claras Tochter Anna (Gala Othero...
Albrecht Berblinger (1770–1829) war das Klischee eines schwäbischen Tüftlers: ein gelernter Schneider aus Ulm, der über Jahre hinweg eine «Flugmaschine» entwickelte, eigentlich ein Hängegleiter, der tatsächlich flugfähig war, bei einer öffentlichen Vorführung 1811 allerdings in die Donau stürzte und Berblinger dem Gespött der Bevölkerung preisgab. Der «Wir können...
Nicht, dass Cornelia Crombholz eine Berufsalternative gebraucht hätte. Sie besaß aber trotzdem eine. Als Kind, erzählte sie einmal, wollte sie Kapitänin werden. Wenn man sie in den Theaterferien kontaktierte, konnte es gut sein, dass man sie irgendwo beim Segeln erwischte: Fernweh gehörte früh zu den Lebensbegleitern der 1966 in der DDR geborenen und im...
