Das soziale Mobile

Andreas Erdmann über Dennis Kellys «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas»

Theater heute - Logo

Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusam­menhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der Autor, Dennis Kelly, sagt (soviel Indiskretion muss erlaubt sein): «No, it is Gorge, not George. And it’s not an English name. But I liked that it sounds
somehow european.

»

Es ist an verschiedenen Stellen schon darauf hingewiesen worden, dass Dennis Kellys ganz persönlicher Sport darin zu bestehen scheint, sich mit jedem Stück als Autor neu zu erfinden. Neuer Inhalt, neue Form, neue Mittel. Wer dergleichen auch hier wieder erwartet, soll nicht enttäuscht werden. Nun schreiben Autoren, die ein wenig arriviert sind, wenn sie dennoch Stückaufträge annehmen, gern etwas Handliches im Kammerspielformat: ein paar Figuren, ein Bühnenbild, luftiger Dialog. Die erste Überraschung, die «Gorge Mastromas» bereit hält, ist, dass das Stück eine epische Lebensgeschichte geradezu Balzacschen Zuschnittes erzählt: desillu­sionierter Realismus, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 158
von Andreas Erdmann

Weitere Beiträge
«Die spielen nicht das Klischee!»

Als Sie alle das «Verrückte Blut» im vergangenen Jahr herausgebracht haben, tobte gleichzeitig die Sarrazin-Debatte. Ihre gefeierte und auch beim Berliner Theatertreffen gezeigte Aufführung handelt von einer konfliktge­lade­nen Schulklasse und spielt mit den Klischees, aber auch den Wahrheiten von muslimischen Macho-Jungs und vermeintlich unterwürfigen...

Joachim Lux über Peter Handkes «Immer noch Sturm»

Peter Handkes «Immer noch Sturm» ist kein Stück, kein Drama, kein Lesedrama, keine Prosa, sondern eine für das Theater gedachte szenische Erzählung. Der Sprache nachhören und sie dennoch szenisch zu vergegenwärtigen, sie ins Figurenspiel zu holen, ohne sie zu verkleinern, dem Theater zu seinem Recht zu verhelfen, ohne die Literatur zu zer­stören, ein...

Der Sieger und seine Verfolger

Jens Harzer

Allein wie Jens Harzer am Thalia Theater den zu Tode zitierten Posa-Satz sagt von der Gedankenfreiheit, ist den ganzen «Don Carlos» wert – leicht, spielerisch, verführerisch, mit einer lässigen Hand­bewegung und seinem schiefen Lächeln, als sei das kein großes Ding. Anke Dürr

Seinen Ruhm hat Jens Harzer sich erspielt als fantastischer Alien des deutschen...