Knallfroscheffekte
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht.
Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte Generation» auf einem abgewrackten Militärflughafen in Amerika zusammentreffen, um eine zeitgenössische Terrorvariante aus Nihilismus, Sinnsuche, Sex und Suff zu reenacten, bringen die paar Dostojewski-Sätze, die ihnen ihr ungarischer Regisseur noch zumutet, nur im Wodka-Vollrausch und im Habitus hundertprozentigen Unverständnisses über die Lippen. Böses im Schilde führen sie trotzdem, auch wenn das lange kaum auffällt. Denn dass man mit Dostojewskis nichtsnutzigen Möchtegern-Revoluzzern auch fernab aller ideengeschichtlichen Großdispute eine desparat-fröhliche Knallfrosch-Party im Irgendwo feiern kann, hat schon Frank Castorfs Variante von 1999 an der Berliner Volksbühne aufs Schönste bewiesen.
In Márton Aghs detailgenau und atmo-sphärereich versifft nachgebildetem Schrott-Tower auf watte-eingeschneitem Flugfeld geht ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Barbara Burckhardt
Am 4. April 2011 wurde Juliano Mer Khamis, 52, vor seinem Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin von einem maskierten Täter erschossen. Der Mann sprach ihn an, Juliano ließ seine Fensterscheibe herunter und wurde mit mehreren Schüsse regelrecht hingerichtet. Auf dem Beifahrersitz befand sich sein einjähriger Sohn auf dem Schoß des Kindermädchens, das an der...
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm...
