Insekt in Bernstein
Über Heiner Müller schreiben, heißt, über einen Verlust schreiben. Heiner Müller, der große deutsche Dichter, dem der Zweite Weltkrieg und die DDR historische Prägung waren, hat uns Texte von ungeheurer Wucht geschenkt, mit Figuren, durch die der Riss der gebrechlichen Einrichtung der Welt geht.
Auf den deutschen Bühnen kommen seine Texte viel zu selten vor. Nach dem Tod Dimiter Gotscheffs bleiben nur wenige Ketzer, Frank Castorf ist einer von ihnen, und die kleinen Theater in Ostdeutschland, die Müllers Texte sich und uns noch zumuten.
Müller, der sein Leben lang auf der Basis einer Grunderfahrung schrieb – «Meine Grunderfahrung war: Staat als Gewalt» –, floh nach dem Ende der DDR vom Schreiben ins Reden, warf in bis heute legendären Interviews und Talkshows der gesamtdeutschen Bundesrepublik Bonmots hin und beendete keinen einzigen dramatischen Text mehr, ein einsamer Hofnarr am Kuscheltisch der neudeutschen Eliten. So verstummten seine Texte auf der Bühne, während wir nicht aufhören konnten, über sie zu reden, auf dass unser Gefasel seine Texte übertöne, übermale und schließlich auslösche.
In einer Zeit, in der die Wahlbeteiligung so niedrig ist, wie es sich die Nomenklatura ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 10
von Bibiana Beglau/Angela Obst
Wie schon in «Todesnachricht» (2011) und «Ich wünsch mir eins» (2012) spielt auch im dritten Stück der deutsch-iranischen Autorin Azar Mortazavi ein aus einem anderen Kulturkreis stammender abwesender Vater eine Rolle. Als dieser sich von der Mutter getrennt hatte und zurück in seine Heimat zog, ging Tochter Mina (Maya Henselek) mit ihm. Jetzt, nach dem Tod des...
Es überrascht doch stets von Neuem, wie schnell noch immer, kaum zupft mal
jemand die gewohnten Sehmuster ein wenig auseinander, die Aufregung anschwillt und Bannworte wie «artifiziell», «formal» oder gar «Kunst» (gemeint ist die bildende oder installative) mehr oder weniger vorwurfsvoll durchs Parkett schwirren. Als sie vor einem Jahr Marieluise Fleißers...
3./Samstag
20.15, ARD: Eine Liebe für den Frieden – Bertha von Suttner und Alfred Nobel Fernsehfilm (2014) von Rainer Berg, mit Birgit Minichmayr, Sebastian Koch, Philipp Hochmair, Yohanna Schwertfeger u.a., Regie Urs Egger
22.40, 3sat: Der Besuch der alten Dame
Literaturverfilmung (2008) nach Dürrenmatt, mit Christiane Hörbiger, Michael Mendl, Lisa Kreuzer, Rüdiger...
