Randalierst du noch, oder rebellierst du schon?
Man hat es nicht leicht als Kind von 68ern. Wie furchtbar es ist, im Trubel der Zeitläufte weitgehend ignoriert zu werden, musste sich irgendwann in Theaterstücken bemerkbar machen und kam spätestens dann zum Vorschein, als die heute Dreißigjährigen sich dem Phänomen nicht greifbarer Eltern widmeten – zum Beispiel Rebecca Kricheldorf mit der «Legende vom Nadelbaumkiller» oder jetzt Christoph Nußbaumeder, der in «Offene Türen» den guten Menschen Richard Römer ins Rennen schickt.
Römer missionierte mit «Africa Alive» das vom Bürgerkrieg zerrüttete Erithrea, inzwischen allerdings wird er sowohl vom Friedensnobelpreis als auch dem einzigen Sohn heimgesucht. Dass der Papi damals immer für andere da war, den kleinen Marc aber links liegen ließ, hatte Folgen. Zwar ist Marc inzwischen ein erfolgreicher Werbefilmer, den Vater verkraftet hat er aber noch lange nicht. Also kreuzt er ausgerechnet am Vorabend der Nobelpreisverleihung wie der Rächer aller Nicht-Gemeinten in der Villa der Eltern auf und inszeniert ein perfides Spiel.
Zum Szenarium gehört Mutter Evelyn, die bieder wirkt, in Wirklichkeit aber mit allen Wassern gewaschen ist. Zur Stelle ist auch der treusorgende Privatsekretär des ...
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Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Grahovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten...
Es gibt in Zürich unter den Theatergängern die Masucci-Debatte. Die einen finden, dass Oliver Masucci immer aussieht wie nach einem Boxkampf oder Pornodreh, und dass diese Repräsentation von Männlichkeit beziehungsweise diese Art von Mannsein doch einfach ganz und gar uninteressant sei. Die andern finden es unendlich erfrischend, dass da nach Jahren, ja nach...
In Hessen ist «Don Karlos» Zentralabiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen teilen. Pubertär pikiert zischen die Schülerabordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runterlässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...
