Schlaubergerei
«Ein Weltuntergang bleibt ein geschmackloses Ereignis», stellt der Prophet Jona fest, der von Gott nach Ninive geschickt wurde, um dem verkommenen Staat Assur eben diesen Untergang anzudrohen und ihn notfalls zu vollziehen.
Zwischen 1986 und 1988 hat Peter Hacks seinen Fünfakter «Jona» verfasst, größtenteils in Blankversen; ähnlich den «Rittern der Tafelrunde» von Christoph Hein spiegelt «Jona» die Agonie und den sich ankündigenden «Weltuntergang» der DDR in einer alten Fabel, mit dem Unterschied allerdings, dass Heins Prosa-Stück sehr wohl erfolgreich aufgeführt wurde, noch in der DDR, während Hacks’ Opus in den Archiven und Verlagslektoraten versenkt ward.
Heins Zugriff ist radikaler, der von Hacks zimperlicher. Dass der bis zuletzt systemtreue Autor seinen Walfisch-Propheten den Welt- bzw. DDR-Untergang unterm Gesichtspunkt der Geschmacksnerven betrachten lässt, ist kein Zufall: Hacks hat immer einen erzieherischen, gouvernantenhaften Blick auf die Welt gepflegt; letztlich geriet ihm alles zu einer Stilfrage, zu einer Frage des mehr oder weniger gut gekonnten Handwerks. «Das Bier ist trüb, das Brot ohne Lust gebacken», resümiert Jona seine Kritik an den assurischen ...
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