«Ich habe kein Vertrauen mehr in Politiker»

Nicoleta Esinencu im Gespräch über die Republik Moldau, die missglückte Transformation, das Teatru Spalatorie und ihr Stück «Die Abschaffung der Familie»

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Theater heute Wenn man die biografischen Texte in «Die Abschaffung der Familie» liest, könnte man denken, die Republik Moldau ist nur einen kleinen Schritt vor der Hölle: extrem verarmt, brutal patriarchalisch und ohne funktionierenden Rechtsstaat. 

Nicoleta Esinencu Ganz und gar nicht. Ich sehe dasselbe hier. Wir leben doch alle in patriarchalischen Gesellschaften. Natürlich ist Moldau ein armes Land, aber man kann es durchaus mit der ehemaligen DDR vergleichen.

Wir hatten eine gemeinsame Vergangenheit: die Herrschaft der Sowjetunion, ihr Zusammenbruch, der folgende Kapitalismus, unsere Eltern haben ihre Arbeit verloren, der neue Nationalismus; ich sehe da viele Parallelen. Auch die koloniale Haltung von Westdeutschland gegenüber Ostdeutschland, das kennen wir genauso als Kolonialisierung Osteuropas durch Westeuropa. 

TH Wie haben Sie die Unabhängigkeit der Republik Moldau erlebt? 

Esinencu Die Perestrojka kam bei uns 1989 an, da war ich elf Jahre alt. In der Schule haben sie uns von einem Tag auf den anderen gesagt, es gibt ein neues Alphabet. Wir haben moldawisches Rumänisch mit kyrillischen Buchstaben geschrieben, die wurden durch das arabische Alphabet ersetzt. Niemand hat ...

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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Das Stück, Seite 42
von

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