Hurrikan Romy
Plötzlich steht sie wieder vor der Tür: Die Frau, der man vor über 20 Jahren einen glücklichen Sommer lang ewige Liebe geschworen hat. Inzwischen ist Frank seit 19 Jahren gründlich verheiratet, was sich am deutlichsten dadurch zeigt, dass er ein ganzes Stück lang nicht eine Sekunde darüber nachdenkt, ob er damit eigentlich froh ist.
Andererseits kommt er gar nicht zum Nachdenken, denn Roland Schimmelpfennigs Frau von früher namens Romy Vogtländer beharrt auf dem vergangenen Glück – einmal verliebt, ewig kopflos – und benimmt sich damit schlimmer als jede gleichgültige Ehefrau. Außerdem vertritt sie die mythische Unbedingtheit einer Medea, die mit hochexplosivem Geschenke-Zauber rücksichtslos alles Menschliche aus dem Weg räumt, das einmal ihr Gesetz verletzt hat. Hurrikan Romy fegt vernichtungsvoll durch eine moderne Gewohnheitsehe, die von Schimmelpfennig fairerweise nicht einmal besonders verlogen ausgestaltet ist.
«Die Frau von früher» (abgedruckt in TH 10/04) war ein Erfolgsstück der vorletzten Spielzeit, und Jürgen Gosch hätte es auch schon vor zwei Jahren inszeniert, wenn sein Terminplan es zugelassen hätte. Zwischen Wien und Hannover, Stuttgart und Göttingen konnte man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es war Walter Filz, Preisträger des 50. Hörspielpreises der Kriegsblinden, der 2001 in seiner Dankesrede den Vorstellungen seiner Vorgänger, was denn das Radio sei, nachging. Das Ergebnis war erschütternd. «Eine mechanische Apparatur» sei es, durch das man «eines Tages die Fähigkeit der Wahrnehmung differenzierter Töne» verlieren könnte (Heinz Oskar Wuttig, 1954)....
Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhalter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt...
Viel Lärm um Nichts» ist eine Komödie, deren Titel ein Regisseur durchaus ernst nehmen darf. Auch wenn hier Soldaten aus dem Krieg heimkehren, es Schurken und moralische Ansinnen gibt, auch wenn hier Stolz zu Demütigungen und Dummheit zum Erfolg führt, bleibt Shakespeares flottes Bühnenstück doch zu allererst ein Schlachtplan für Vergnüglichkeiten. Also macht...
