Ratten im Polit-Betrieb
Erfolg hat Folgen, gewollt oder nicht – sämtliche Komplikationen der Münchner Uraufführung schleppen auch die folgenden Versuche am jüngsten Stück des Schweizer Dramatikers als Last mit sich herum. Das ist kein Wunder, denn die Konstruktion des Textes erschwert jeden ernsthaft neuen Blick.
Die Nachspiele von Florian Fiedler im Ballhof des Hannoverschen Schauspiels und Bettina Bruinier in der Kammer-Box des Deutschen Theaters in Berlin arbeiten sich vor allem an den zentralen Polit-Figuren ab: am Kandidaten Simon Korach und an der strippenziehenden Kanaille, die hier nicht Franz heißt, sondern Franzeck.
Der trat ja das ganze Desaster los, als er Peter, dem Sohn des braven Simon Korach, der gerade Bürgermeister werden will oder Landrat oder etwas in der Richtung, den Zweifel an der eigenen Vaterschaft einpflanzte; aus Neid, weil er selbst gern Sohn wäre (vom alten Korach) und Vater: mit Agnes, Peters Frau. Während in Berlin Gabor Biedermann genau den idealen Typ des schlanken, schmucken, herzeigbar fleckenfreien Funktions-Idioten und Spin-Doctors darstellt, mit dem sich die höheren Chargen der Politik gern als Helferlein umgeben, geht Matthias Buss in Hannover schon eher als der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unweit vom Herzen Altonas, wo Ende März mit einem Schlag die Draußensitzer in den Cafés das Straßenbild erobern, liegt die Studiobühne des Thalia Theaters. Hier, in der Gaußstraße, werden die kleineren Produktionen gezeigt, Inszenierungen, die mit wenigen Mitteln auskommen müssen, weil der Platz für großen Aufwand fehlt. Das karge Ambiente mit dem rohen...
Ein Mann kommt auf die Bühne, setzt sich hinter das bereitgestellte Piano, greift zur E-Gitarre und zupft ein paar perlende Moll-Akkorde. Ein anderer schleppt einen Eimer Farbe herbei, zückt die Malerrolle und streicht schüchterne Linien in Schwimmbadblau auf die Leinwand. Weitere Leute, hübsch exzentrisch gekleidet, verteilen sich im Raum und fangen zu tanzen an:...
Der «Räuber Hotzenplotz» ist immer noch die perfekte Kindergeschichte. Zwar verweisen gestohlene Kaffeemühlen, vertauschte Mützen und strafweises Kartoffelschälen heutzutage nur noch bei den Allerkleinsten auf die wirklichen Abgründe des Lebens. Aber die Mischung des Identifikationspersonals und ihrer entsprechenden Prinzipien lässt auch Grundschulkindern nichts...
