Boulevard Kafka
Karl Roßmann hat immer noch Probleme. Der Protagonist in «God Save America» von Biljana Srbljanovic heißt wie der Held aus Kafkas Romanfragment «Amerika», und die Namensgleichheit ist natürlich kein Zufall. Auch der neue Roßmann ist Europäer in Amerika, auch ihn wollen sie offensichtlich fertigmachen: Der Portier, der gegen Schmiergeld unangemeldet Besucher passieren lässt, lügt ihm frech ins Gesicht; sein bester Freund geht aufs Klo, wenn’s beim Nobelitaliener ans Zahlen geht; und als Roßmann bei seiner Bank anruft, verhungert er in der Warteschleife.
«God Save America», entstanden 2002 während eines New-York-Aufenthalts der Autorin, ist eine Kapitalismus-Farce. Alles dreht sich ums Geld, wobei die Pointe darin besteht, dass Roßmann keines mehr hat: Seinen hochdotierten Job (vermutlich irgendwas an der Wall Street) hat er ausgerechnet verloren, als er ein neues, sündteures Apartment bezogen hat. Weil Roßmann erstens selbst noch nicht ganz kapiert hat, dass er am Ende ist, und sich zweitens keine Blöße geben will, ignoriert er die Situation zunächst – was eine gute Ausgangsposition für eine Komödie darstellt.
Tatsächlich versucht sich Srbljanovic als Boulevardautorin: Wenn etwa die ...
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