In Zeiten der Enteigentlichung
Vier Tage nach der Saisoneröffnung im Deutschen Theater Berlin wurde rund um die Hauptstadt in Brandenburg gewählt. Und, oh Schreck, die ziemlich neue nationalkonservative Partei mit dem kraftvollen Namen «Alternative für Deutschland» wilderte für ihre 12 Prozent nicht nur kräftig in der Stammwählerschaft der CDU, sie bediente sich auch bei sämtlichen anderen Parteien, einschließlich der Linken. Lechts und rinks konnten die 49 Prozent der Wahlberechtigten, die sich überhaupt zu diesem Wahlgang aufraffen mochten, wohl nicht mehr so ganz unterscheiden.
«Was war denn gleich noch mal links?», hatte zweifelnd beim Premierenabend von Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Sternheim-Bearbeitung «Tabula rasa – Gruppentanz und Klassenkampf» auch Jörg Pose aus der ersten Reihe gefragt und ein paar zaghafte Vorschläge gemacht: «Lange Haare? Haschisch? Minirock?» Die große ideologische Verwirrung der Jetztzeit hatte Carl Sternheim schon 1919 konstatiert. Da lag der erste große Sündenfall der Sozialdemokratie gerade fünf Jahre zurück, die Zustimmung zum Kriegseinsatz.
Laute Wasser, nicht sehr tief
Kühnel/Kuttner bedienen sich des 100 Jahre alten Textes für ein grundsätzliches SPD-Bashing quer durch die ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Barbara Burckhardt
Es gibt Kunstwerke, die sind interessant, weil sie ihre Zuschauer ästhetisch in den Bann schlagen, und es gibt Kunstwerke, die sind interessant, auch wenn sie das nicht tun. Dries Verhoevens vorzeitig abgebrochene Performance für die Programmreihe «Treffpunkte» am Berliner HAU gehört definitiv zur letzten Kategorie. «Wanna Play?» wird wohl als das interessanteste...
Die letzte Rolle, die Guntram spielte, war Faust. In einer kurzen Paraphrase des zweiten Teils, die Patrick Steinwidder für das Nachwuchsfestival «MarstallPlan» am Ende der letzten Spielzeit unter dem Titel «Final Faust II Fantasy» entwickelte, wurde dieser Faust von einer Schwester, die verdächtig viele Mephisto-Texte sprach, in einem Krankenzimmer beim Sterben...
Der Ansturm hat nachgelassen. Zwar gibt es noch Sperrgitter vor dem Oberlandesgericht München in der Nymphenburger Straße, aber im Saal 101 bleiben inzwischen häufig Plätze frei. Seit Mai 2013 wird dort Beate Zschäpe, Überlebende der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle, bekannt auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), der Prozess gemacht. Vorgeworfen...
