Rausch und Renitenz
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da kam Frank Castorf auf die Idee, die Nibelungen am Schluss als Rocker auftreten zu lassen – «in Bluejeans», wie es noch im Jargon der späten DDR hieß.
Schon am nächsten Tag lag in Fritschs Garderobe ein Paar Jeans, das der Schauspieler nach kurzer Überlegung zusammenfaltete und aus dem Fenster in den Lichtschacht warf. «Wo sind deine Bluejeans, Herbert?», hieß es auf den Proben. «Ich hab dir doch welche hingelegt!» Fritsch überrascht: «Echt? Ich hab nix gesehen.» An den nächsten Tagen das gleiche Spiel: Jeans in der Garderobe, dann im Lichtschacht, zunehmend genervte Regie, betont ahnungsloser Schauspieler. Schließlich Castorf: «Ich zwing dich in die Gruppe.» Am Ende behielt Hagen sein Kettenhemdröckchen an.
Auch nach 16 Jahren hat Herbert Fritsch noch seine helle Freude an dem Versteckspiel, mit dem er einst Castorf und ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 6
von Eva Behrendt
Montag, 2.
19.30, Theaterkanal: Feridun Zaimoglu im Gespräch
Samstag, 7.
19.20, 3sat: Theatertreffen 2011 in Berlin – die Eröffnung
20.15, 3sat: Das Werk – Im Bus – Ein Sturz – von Elfriede Jelinek, mit Susanne Barth, Lina
Beckmann, Rosemary Hardy, Thomas Loibl, Caroline Peters, Laura Sundermann, Michael
Weber, Kathrin Wehlisch, Julia Wieninger und Manfred Zapatka,...
Liebe Redaktion,
ich muss leider passen. Denke seit einigen Tagen herum, aber soooo richtig fällt mir nichts ein. Zumindest habe ich immer gleich schon selbst überzeugende Gegenargumente. Elfriede Jelineks «Werk/Bau/Sturz» in Köln, ja, aber wollen wir zweimal Jelinek? Christine Dössel hat die Auswahl von München gut begründet. Philipp Löhles «supernova» in Mannheim,...
Am 4. April 2011 wurde Juliano Mer Khamis, 52, vor seinem Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin von einem maskierten Täter erschossen. Der Mann sprach ihn an, Juliano ließ seine Fensterscheibe herunter und wurde mit mehreren Schüsse regelrecht hingerichtet. Auf dem Beifahrersitz befand sich sein einjähriger Sohn auf dem Schoß des Kindermädchens, das an der...
