Das Wortlosspiel
Wenn alle Schlachten zwischen Mensch und Welt geschlagen sind, dann enden große Erzählungen gern jenseits von Raum und Zeit: im Hinterzimmer des Bewusstseins. So war das in Stanley Kubricks «2001: A Space Odyssey» oder in David Lynchs «Twin Peaks» oder letztens in Sebastian Hartmanns Tolstoi-Adaption «Krieg und Frieden» (s. TH 11/2012), als man mit flimmernden 3-D-Animationen von Tilo Baumgärtel durch barocke Hallen voller Lebens- und Todesbilder raste.
«Mein Faust», Sebastian Hartmanns letzte eigene Premiere seiner Leipziger Intendanz, beginnt bereits in einem solchen Nirgendwo: Ein psychedelisches Hoftheater öffnet seinen roten Samtvorhang. Vor einer großpixeligen roten LED-Leinwand schreiten adlige Damen mit surreal riesigen Perücken und livrierte Höflinge auf eine altertümliche Souffleurmuschel an der Rampe zu. Streicher-Sounds setzen ein, harte Bass-Drums, Synthie-Klänge, kredenzt von einem langhaarigen Maestro an Klavier und Rechner, der genau so ist, wie ihn der gewohnt lakonische Leipziger Programmzettel ausweist: «nackt».
Nach all den Auseinandersetzungen mit der städtischen Bürgerschaft, die diese Intendanz über ihre fünf Spielzeiten hinweg begleiteten, hat sich Hartmann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christian Rakow
Im Kaiserslauterer Pfalztheater gab es zu dieser Spielzeit einen Führungswechsel. Für den scheidenden Intendanten Johannes Reitmeier kam Urs Häberli. Der neue Schauspielchef heißt Harald Demmer und kündigt in seiner ersten Spielzeit als Spartenleiter Premieren wie Elfriede Jelineks «Winterreise» und direkt zum Auftakt Felicia Zellers «Kaspar Häuser Meer» an. Man...
«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen...
Die hohe unnatürliche Sterberate unter Shakespeares englischen Renaissance-Königen ist historisch schnell erklärt. Sie waren notorisch wackelige Machthaber, die sich jenseits der eigenen Ritterschar weder auf ein großes stehendes Heer noch auf nennenswerte Polizeitruppen oder eine entwickelte Bürokratie stützen konnten. Eine kleine Verschwörung untreuer Lords, ein...
