Der prophetische Blick
Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia Rediger und Fabian Chiquet bespiegelt in seiner internetkritischen Masterarbeit beim Basler Nachwuchsfestival «Treibstoff» den Warholschen 15-Minuten-Ruhm im Youtube-Zeitalter.
Um in der wilden Stilmixtur aus antiker Tragödie, Pop Art und Saturday Night Fever potenzielle Vorboten eines neuen Theatervokabulars zu entdecken, bedarf es schon eines sehr genauen, um nicht zu sagen: prophetischen Auges.
Die Kasernen-Chefin Carena Schlewitt hat es. Im Gespräch mit ihr entsteht schnell das Gefühl, einem der unzynischeren Menschen des Kulturbusiness gegenüber zu sitzen. Schlewitts professionelle Neugier ist dabei von einer komplett naivitätsfreien Art, und trotz allabendlichen Kulturkonsums sind keinerlei Scheuklappen erkennbar. Wenn sich «Chris Crockers» Ästhetik ausdifferenziere, sagt Schlewitt in der kaserneneigenen ...
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Die Legende erzählt, dass die ersten Dramaturgen ihre Büros in vergessenen Dachzimmern hatten. Wenn jemand im Theater mal eine Frage zum Text hatte, musste er sich durch lange Korridore und über Hintertreppen von Etage zu Etage durchfragen, um dann eine scheue Kreatur beinverknotet in alten Texten vertieft vorzufinden, die prompt Antwort wusste. Allerdings vergaß...
