Aus zweiter Hand
Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber lassen alle ihre Köpfe auf die Tische sinken. Wenn die Nerven eigentlich zerrieben sind, fällt es schwer, aufrecht und wohlgestimmt für das Jubeltagsfoto zu posieren.
Sie fand unter erschwerten Bedingungen statt, die diesjährige Spielzeiteröffnung am Bremer Haus. Vier Tage vor der Premiere fiel Hauptdarsteller Alexander Rossi mit einem Muskelfaserriss aus. Sein Ersatz in der Titelrolle, Torsten Ranft, lässt ahnen, dass diese Sportlerverletzung nicht von ungefähr kommt. Der Läufer ist hier durchaus wortwörtlich aufgefasst. Von Beginn an wirkt er fiebernd und nervös und lässt die Beine fliegen. Seine Seele gleicht einem Schwamm, den man entsprechend ausdrucksstark auspresst.
Damit befinden wir uns nahe beim «Lenz» von Büchner mit seinem Interesse an der zerrütteten, manischen Existenz des Dramatikers. Ganz analog fasst ...
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Das kann jedem passieren: eine einigermaßen glückliche Ehe, kinderlos, deren Teilnehmer sich auch nach vielen Jahren noch gerne ins Gesicht sehen, tanzen gehen, gemeinsam Urlaub machen. Dann bricht Regine plötzlich im Bad zusammen, Schlaganfall, Pflegefall, schlimmster Fall: bewegungsunfähig bis auf die Augenlider, der Rest des Lebens ein Verdämmern.
Jan Neumann...
Die Schauspiel-Legende Mia Farrow und der renommierte Regisseur und Dramatiker James Lapine hätten vielleicht wissen müssen, dass sie mit «Fran’s Bed», der temporeichen und glanzvoll ironischen Inszenierung über eine Komapatientin, die schläfrige New Yorker Theaterwelt nicht aus ihrem eigenen Koma reißen würden. Klassisches in Protokollpflicht des Dramas erwarten...
Jesus sieht aus wie Hermes Phettberg, nur die Jeans sind nicht so versifft wie beim Original. Jesus ist Protagonist des neuen Franzobel-Stücks «Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie», einem Auftragswerk des Burgtheaters. Es handelt sich, wie der barocke Titel schon sagt, um eine Mischung aus Passionsspiel und Familiendrama: Der Erlöser ist...
