Auf rohen Eiern
Das war knapp. Um ein Haar wären Teile von Falk Richters «Fear» an der Berliner Schaubühne einer einstweiligen Verfügung zum Opfer gefallen, die Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin von «Demo für alle», gegen das Theater im Dezember schon erwirkt hatte und der sich die AfD-Vizevorsitzende und Europaparlaments-Abgeordnete Beatrix von Storch angeschlossen hatte. Beide rechtskonservative Damen fühlten sich durch die Art und Weise ihrer Erwähnung in der Inszenierung in ihrer Menschenwürde verletzt und verstanden das Falk-Richter-Stück als Gewaltaufruf gegen sich.
Tatsächlich ist vieles, was über Beverfoerde/ Storch in der Schaubühne gesagt wird, nicht übertrieben nett. Sie werden in einem Atemzug mit NSU, NPD, Beate Zschäpe genannt, und
ihre Fotos werden mit Zombies assoziiert, die aus ihren Gräbern steigen und zu denen Lise Risom Olsen auch erklärt, wie mit ihnen umzugehen sei: «Der Zombie stirbt nur, wenn man ihm direkt ins Gehirn schießt und sein Gehirn auslöscht. Das ist die einzige Möglichkeit ...» Sowas hört man nicht gern über sich, auch nicht Politikerinnen, die selbst rhetorisch nicht kleinlich sind und berufsbedingt die Öffentlichkeit suchen.
Entsprechend gewunden fielen auch die ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Als Jack in der Wüste den Talibanskis gegenüber steht, bleibt ihm nur die Erinnerung an Annie Ocean – als Schwarz-Weiß-Bild leuchtet sie auf einem alten Röhrenfernseher, der zu Hause in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters steht. Es ist der Fernseher, auf dem er sich immer seine alten Western-Videos angesehen hat. Und vor dem jetzt Annie Ocean auf dem Sofa liegt,...
Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht...
Dortmund, der Ort des achten Mordes des NSU-Trios, ist ein geeigneter Ort für Elfriede Jelineks «Das schweigende Mädchen». Beate Zschäpe schweigt, Elfriede Jelinek lässt sprechen. Jelinek hat sich vom schweigenden Mädchen zur schreibwütigen Nobelpreisträgerin therapiert («Ich bin schweigsam wie das Mädchen, hahaha!»). Das passt.
Michael Simons setzt als Regisseur...
