Immer schön vorwärts leben
Das Leben als Ganzes – ein Thema für das Kabarett. Wer fühlt sich heute schon frei, heil und ganz? Stückwerke sind wir, Fragmente, bestenfalls noch offene Systeme. Martin Heckmanns wagt es, ein ganzes Leben zu zeigen – als Komödie, als dramatisierten Comic-Strip mit einem ewig scheiternden Helden, dem die Identitätskonstruktion so gut gelingt wie den meisten von uns – teilweise.
Im Schnelldurchlauf erleben wir Brunos wichtigste Stationen: Zeugung, Kindheit, Pubertät, Ausbildung, Beruf (Erfolg und Scheitern), Liebe und Familie (Erfolg und Scheitern), Krankheit, Tod – alles was dazugehört. Am Ende die Enttäuschung: Es war kein Ganzes. «Ich hätte vielleicht …» ist Brunos letzter unvollständiger Satz.
Wie versucht man, «Ich und Ich» (das Spielzeit-Motto des Düsseldorfer Schauspielhauses) zusammenzuhalten? Wie stellt man Einheit her aus der Verschiedenheit der Lebensmomente? Durch Erzählung. Der Mensch erzählt sich selbst. Vertrackt dabei ist nur, um unser ureigenstes, unverwechselbares Selbst uns und anderen erzählen zu können, müssen wir uns gesellschaftlich vorgefertigter Erzählmuster bedienen. Das sind für Bruno seine Stimmen. Sie mischen sich immer ein, erzählen ihm, was er ...
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Ein Mann kommt auf die Bühne, setzt sich hinter das bereitgestellte Piano, greift zur E-Gitarre und zupft ein paar perlende Moll-Akkorde. Ein anderer schleppt einen Eimer Farbe herbei, zückt die Malerrolle und streicht schüchterne Linien in Schwimmbadblau auf die Leinwand. Weitere Leute, hübsch exzentrisch gekleidet, verteilen sich im Raum und fangen zu tanzen an:...
In Hessen ist «Don Karlos» Zentralabiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen teilen. Pubertär pikiert zischen die Schülerabordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runterlässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...
Unweit vom Herzen Altonas, wo Ende März mit einem Schlag die Draußensitzer in den Cafés das Straßenbild erobern, liegt die Studiobühne des Thalia Theaters. Hier, in der Gaußstraße, werden die kleineren Produktionen gezeigt, Inszenierungen, die mit wenigen Mitteln auskommen müssen, weil der Platz für großen Aufwand fehlt. Das karge Ambiente mit dem rohen...
