Glückstest-Dummies
Manchmal scheint es, betrachtet man die Stücke jüngerer Dramatiker, als wären beruflicher Erfolg und eine halbwegs funktionierende Zweierbeziehung in erster Linie ein psychischer Härtetest, der unweigerlich zu tiefer Depression oder gar zum Amoklauf führen muss. Um sich die Leichtigkeit des Daseins erträglich zu machen, flüchtet das Personal mit Vorliebe in diffuse Aussteigerfantasien, die sich von denen der 68er hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass sie im globalisierten Einheitsweltbild von vornherein aussichtslos erscheinen.
In Ulrike Syhas neuem Stück «Gewerbe» kämpft Arthur, ein Kulturschaffender in der Krise, mit den schleichenden Nebenwirkungen einer gesicherten Existenz als Stadttheaterregisseur. Der mysteriöse Tod seines Vaters in Budapest – war es Selbstmord oder Mord? – ist ihm willkommener Anlass, endlich aus dem goldenen Gefängnis eines sorgenfreien Lebens auszubrechen und sich ganz seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Basteln abwegiger Verschwörungstheorien, zu widmen. Waren es anfangs nur die ungeschickten Versuche eines schauspielernden Nebenbuhlers, ihm seine leicht neurotische Gattin und Hauptdarstellerin Olga auszuspannen, so sieht er sich bald als ...
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Dafür muss man den Berliner und seine Neigung zum Haushund einfach lieben. Steht zur Nachtzeit nur mit einem Bademantel überm Pyjama ganz jovial auf der Straße, das Bullenbeißerkettchen locker ums Handgelenk geschlungen, und sorgt sich um sein Tier. «Bienchen», brüllt den liebreizenden Kosenamen markerschütternd ins Parkett, und man kann sich lebhaft vorstellen,...
Was läuft, wenn was läuft? Was geht, wenn was geht? Und wie weit geht es? Cem hat mit 30 Messerstichen Elena abgestochen und versucht, ihre Freundin Ulli als Zeugin ebenfalls zu töten. Die hat schwer verletzt überlebt und gibt nun ihre Schockerfahrungen zu Protokoll. Es ist eine von mehreren Sichtweisen auf eine Tat und deren Vorgeschichte. Eine weitere steuert...
I love you»: Mit rotem Herzen und entsprechendem Bekenntnis erstrahlte das weiße Kapuzenshirt von Rainald Goetz, als er jüngst in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz einem Seelenverwandten seine Reverenz erwies. Es war ein glücklicher Einfall, den «schlaflosesten Zeitgenossen der pubertierenden Berliner Republik» (so kürzlich Gustav Seibt in der...
