Nach Meyerhold!

Shakespeare «Hamlet»

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Zu Tisch! Nach Michael Thalheimer und Tilmann Köhler (s. TH 05/08 und 07/08) stellt auch Thomas Ostermeier seinen «Hamlet» vor. Der dänische Prinz mit dem Entscheidungsproblem – Gerechtigkeit für den Vater oder Nachsicht für die ehebrecherische Mutter – wird in den engsten Familienkreis verwiesen. Sechs Schauspieler teilen sich die Rollen und verhandeln das Stück an Jan Pappelbaums pathetisch erleuchteter Bankett-Tafel, die zum Szenenwechsel eindrucksvoll über ein Bühnen-Meer aus Schlamm fahren kann.

 

Die wuchtige Eröffnung am offenen Grab zu strömendem Duschregen zitiert Stummfilm-Slapstick und Mafia-Atmosphäre, doch zurück am Tisch regiert schnell mittelständische Bierzeltstimmung beim Betriebsfest. Der neue Chef Claudius (Urs Jucker) hat mit Frau und Firma den Deal seines Lebens gemacht und greift freudig zum Dosenbier. Der leicht beschränkte, aber rücksichtslos loyale Prokurist Polonius (Robert Beyer) donnert provinzautoritär seine Tochter zusammen, die sich romantische Gedanken macht, und schickt den durchtriebenen Schlingel Laertes (Stefan Stern) zum Studieren ins Ausland. 

Judith Rosmair ist allein für die Damenparts zuständig und zeigt zwei Entwicklungsphasen einer ...

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Theater heute Oktober 2008
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Franz Wille

Vergriffen
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