Rätsel der Leidenschaft

Renaissance Theater: Jean Racine «Phädra»

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Die Ehe war zu Racines Zeiten keine Angelegenheit romantischer Selbstverwirklichung, sondern eine Staatsaktion, zumindest in den höheren Ständen. Entsprechend problematisch war die Liebe, die als bestenfalls nachgeordneter Effekt den pragmatischeren Zwecken des Zwischen­menschlichen besser nicht in die Quere zu kommen hatte. Der Mensch des Ancien Régime fühlte sich ganz selbstverständlich als öffentlicher Verstellungskünstler, Authentizität des Gefühls nach außen ein schwerer Fauxpas. So anders waren einmal die Zeiten.

Solche Unterschiede über die Jahrhunderte ignoriert Torsten Fischer (Regie und Bühne) großzügig. Schräg zum Portal ist eine hohe weiße Wand gekantet, vor der sich mit größter Selbstverständlichkeit heutige Zeitgenossen in besseren Anzügen oder eleganter Hausgarderobe unterhalten. Ihr international Chic wird nur von einem unschönen Seelenproblem gestört. Phädra, die Herrin des eleganten Hauses, hat sich in ihren Stiefsohn verliebt und ist von ihrer Leidenschaft ziemlich mitgenommen. Corinna Kirchhoff, jeder Zoll eine souveräne Bühnenkönigin, leidet erkennbar an schwerer Liebeserkältung und trägt das verwundetste Gesicht der Saison. Ihr malerisch verheultes Antlitz – ...

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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Berlin, Seite 46
von Franz Wille

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