Bis zum Hals im Dispo
Ein Leben in Kontoauszügen? Barabhebung an Geldautomaten zeigen das Cash-Level, die Höhe der Telekom-Rechnungen lässt auf gewerbliche Nutzung des Hausanschlusses schließen, Zeitschriften-Abos verweisen auf den beruflichen oder gesellschaftlichen Horizont, der eher bescheidene Beitrag bei der Künstlersozialkasse muss dem nicht entsprechen – auf der anderen Seite stehen lausige Einnahmen durch kleine Übersetzungsarbeiten.
Dann wieder Akkreditierungen auf Filmfestivals, stolze Ersteigerungen bei Ebay (ein Mantel, der endlich mal was hermacht) und schließlich die Quartalsabrechnung: Dass der Mann, der eigentlich pleite ist, doch noch irgendwie weiter machen kann, verdankt er seinem sehr hohen Dispo-Kredit (wahrscheinlich aus besseren Zeiten mit Festanstellung) und den sehr hohen Zinsen, die seine Bank für diesen Service nimmt. Freundlich gewährt sie ihm ein Darlehen für den endlich überzogenen Dispo – wobei die Bank vor allem sich selbst hilft.
Dass sich allein mit Kontoauszügen etwas über die heutige Zeit erzählen lässt, war die zündende Idee für Stefan Weigls Hörspiel «Stripped – Ein Leben in Kontoauszügen» (WDR). Der größeren Authentizität halber verwendete er gleich seine eigenen ...
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Was aus dem einen, sehr sehr langen Theaterstück, das René Pollesch in kleinen Fetzen an verschiedenen Orten seit Jahren zur Aufführung bringt, konsequent hervorscheint, ist die Sehnsucht des Autors nach der alten politisch-ideologischen Entweder-oder-Weltsicht, die mit fetzigen Ist-Sätzen Klarheit schafft, sowie der ewige Kampf dieser Sehnsucht mit dem Alltag des...
