Zwiebelsuppe
Der Regisseur Michael Simon hat sich einen Namen gemacht als Maître de Plaisir des Theaters.
Er begnügt sich nicht mit den herkömmlichen Guckkastenkonventionen – das werte Publikum soll schon etwas mehr Anteil nehmen am Geschehen, auch physischen; gern wird es auf die Bühne gebeten, um den Schweiß der Schauspieler zu riechen und hautnah strömen zu sehen, es soll den Blick in den leeren Saal richten oder in die schwindelnden Höhen des Schnürbodens, wo die Akteure über Beleuchtungsstege hetzen und einander ihre Texte zurufen, und der Zuschauer denkt: Wenn jetzt einer herunterfällt, musst du ihn auffangen. Das passiert natürlich nicht, aber es lenkt doch ein bisschen ab von dem, was gerade zu verhandeln wäre. Man hört und staunt viel in Simons Theater, das ist für eine Weile unterhaltsam (aber nicht für dreieinhalb Stunden), man denkt sich auch seinen Teil, aber vielleicht eben nur den. Was für ein schweres nordisches Kopf-Drama wie das Gyntsche von Ibsen am Ende zu wenig sein könnte.
Der Abend beginnt amüsant, denn Mutter Aase wird von einem kräftigen Kerl gespielt (Götz Argus), und die vielsagenden Zwiebelschalen fliegen dem aufgeregten und quirligen jungen Peer (Johannes Allmayer) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Norwegen ist das ideale Land zum Schreiben: Die Dunkelheit, die Einsamkeit und die überwältigende Natur schaffen für Dramatiker inspirierende Bedingungen – denkt man. Auf jeden Fall funktionierte es für Henrik Ibsen 1850 und das nächste Mal 1995 für Jon Fosse, ganz im Sinne des selbstironischen Mythos der Norweger, dass in ihrem Land nur für einen Dramatiker zur...
Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen...
Mathieu hätte gerne eine Freundin. Ein durchaus nachvollziehbarer und üblicherweise auch erfüllbarer Wunsch für einen jungen Mann. Doch so einfach ist das nicht in diesem Falle, denn Mathieu ist Zerebralparetiker. Die spastische Muskeltonusstörung fesselt ihn an den Rollstuhl, bereitet ihm Schwierigkeiten beim Sprechen und lässt seine Gliedmaßen unkontrolliert...
