Die Kugel in der Luft
Victory Condition» beginnt mit einem freundlichen «Hallo». Ein Mann spricht mich an, erzählt, was er weiß über mich, über mein Leben mit geliebten Menschen, über Glücksmomente und plötzlich einbrechenden Schrecken, über meine Ängste und mein Vertrauen. Der Mann kennt mich, denn er ist wie ich.
Nein, er spricht nicht mit mir. Der Mann ist ein Sniper und liegt verborgen in einem zerstörten Gebäude, durch das Zielfernrohr seines Gewehrs sein Opfer betrachtend, mit ihm redend in obszöner Vertrautheit.
Die Regierung hat ihn beauftragt, gegen den Aufstand vorzugehen, der auf der Straße tobt. Bürgerkriegspartikel tauchen auf, Transparente sind zu lesen – und zwischen ihnen eine junge Frau, die telefoniert und raucht, mit den anderen Demonstrant*innen scherzt und lachend der feindlichen Seite deren Spiegelbild vorhält: die bis zu den Zähnen bewaffnete Fratze.
Schnitt. Eine Frau betritt wie jeden Tag ein Großraumbüro mit den allbekannten Trennwänden, nicht zu hoch, nicht zu niedrig, mit Bodendielenimitat und unbarmherzig blau leuchtenden Monitoren. Dort, wo sie wie alle anderen besessen am Design der Welt arbeitet, an den Bildern, die unsere Realität fassen, ersetzen, formen. Doch ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 184
von Angela Obst
Dieses neue Stück von Christoph Nußbaumeder ist eine Reise ins Herz der waffenproduzierenden Industrie – dorthin, wo die Kriege von morgen bereits heute geführt werden. Es geht um künstliche Intelligenz und autonome Waffentechnik. Nußbaumeder bindet das hochkomplexe und politisch brisante Thema an die persönliche Verantwortung des Einzelnen. «Der junge Held...
Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal...
Donald Trump, der in Elfriede Jelineks «Am Königsweg» namentlich nicht genannt wird und um den sich doch das ganze Stück dreht, hat in dieser Saison viele Theatermacher, Zuschauer und Kritiker in Atem gehalten. Vielleicht deshalb haben sie ihn und sich in «Am Königsweg» wiedergefunden und den Text mit 9 Stimmen zum Stück des Jahres gewählt – vor Ewald Palmetshofers...
